Das Bein noch ein Stück höher

Bolivien Part V – Unglaubliche Naturschauspiele in Boliviens Süden “Lagunas y Salares”

Was tun, um unsere Akklimatisierung bis nach Argentinien aufrechtzuerhalten? Wir begeben uns auf Dalis Spuren in eine weltliche Dimension, die beinahe überirdische Ausmaße annimmt. Auf dem Weg durch Boliviens Süden tauchen wir wie bereits 2007 in surreale Galaxien ein, so schier unglaublich die malerischen Kulissen, die uns umgeben! Und dieses Seelenfutter hilft uns auch noch auf die Sprünge für den höchsten Berg Südamerikas, bewegen wir uns doch die kommenden 5 Tage zwischen 4000m und 6000m :)

Der Bus nach Uyuni war in La Paz schnell gebucht und kräftig durchgerüttelt erreichten wir übernächtigt in den frühen Morgenstunden die karge, flache und staubige Wüstenstadt! Das Hostel hatte sich verändert, das Fleisch wurde wohl schon  vor längerer Zeit von der Leine genommen und ein paar Waschbecken im Innenhof waren auch entfernt. Die Sonne brennt wieder gnadenlos. Nur die Luft schafft es dieses Mal besser, die Wärme einzufangen und an uns abzugeben…. Das macht Uyuni ja fast erträglich :) Denn ansonsten kann man verstehen, warum dieser Ort früher lediglich als Raststation auf dem Handelsweg von Potosí nach Chile diente – hier ist Nichts! Zu dem Wüstenstaub hat sich nun mit den Jahrzehnten noch großflächiger Müll angesammelt und zwei Kilometer entfernt ein Eisenbahnfriedhof, auf welchem ausgediente Dieselloks seit 100 Jahren ihre letzte Ruhe finden. Diese eisernen Erinnerungen an die Industrialisierung werden auch zugleich unsere ersten Objekte der Begierde, wir versuchen uns an einem Fotoshooting mit unserer markanten gelben Tatonka Tasche :)

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Die Wahl auf eine der unzähligen ortsansässigen Agenturen, welche Fahrten durch die bizarre Landschaft bis an die chilenische Grenze anbieten, fiel uns schwer, schafft es noch nicht einmal der Reiseführer Empfehlungen auszuschreiben angesichts des stark fluktuierenden Marktes und der unseriösen Anbieter. Tito Tours war dann tatsächlich ein Griff ins Klo, was zu unserem Glück gleich in den ersten Stunden unserer  Fahrt eine positive Wendung nahm als die aus 1000 Lügen gestrickte Tour nämlich nach dem Ermessen der Agentur nicht voll belegt war und wir eben mal so an eine andere (im Nachhinein bessere Agentur) verkauft wurden. Nur ging die Rechnung nicht ganz auf gegen die stark wetternden 2 Deutschen (wir) und einem französischen Pärchen als es nun entgegen der Versprechungen hieß, dass sich in dem Jeep 3 Leute auf die hintere Sitzbank quetschen sollen. Drohungen, die Tour zu canceln, ignorierten wir rigoros, auch wenn es für uns fatale Folgen hätte, da der Ausreisestempel bereits in unseren Pässen war ^.^ Unser Sitzstreik hatte Erfolg, eine Köchin musste zu Hause bleiben und Fahrer, die schöne Köchin und der Guide sich vorne hineinpressen. Pech gehabt, sollen sie spüren, dass sie die Touris nicht lügenbehaftet über den Nuckel ziehen können!

Viva la revolución de turistas!

Wir schlossen Bekanntschaft mit Didier y Francoise, die Eroberung der Westalpen kann nun 2011 beginnen. Das überaus sympathische Pärchen aus Frankreich betreibt eine Apfelfarm unweit von Chamonix :) Auch die Berge um Calgary sind gesichert, wenn wir der Einladung von James aus Canada folgen, dem Fünften im Bunde! Wir frohlockten derweil mit unserem Rennsteig in der Nähe, dem Schlachtfeld von Bonaparte und der Besteigung des höchsten Thüringer Gipfels! Mal schauen, ob sie dem Charme des grünen Herzens erlegen sind :)

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In gelebter Harmonie war unsere anfängliche Revolte schnell vom Tische, stattdessen ließen wir uns als bald von Mutter Natur in eine Zauberwelt entführen. Die Salzwüste von Uyuni saugt einen mit ihrer unendlichen weißen Weite regelrecht auf und verleitet einen dazu, sich die Augen zu reiben, wenn man plötzlich an ihrem Horizont daherschwebende Autos zu sehen glaubt und die Berge zu fliegen scheinen!! Bei dem mittäglichen Zwischenstopp bekommen wir genug Zeit für sogenannte “funny pictures”, welche die Dimensionen zu ihren Gunsten zu nutzen wissen… Schießbudengleich liegen die Fotografen vor den schnell zusammengesuchten Utensilien, um in Handumdrehen bzw. per Fingerklick die wildesten Jurassicparkszenen nachzustellen oder den Flaschengeist ins Leben zu rufen. Nimmt man sich aus der Schießbude eben mal raus, ist die sich vor einem abspielende Szenerie passend zu diesem Landstrich völlig bizarr: zu komischen Figuren erstarrte Männiken die auf ihre Anweisungen warten “Noch a Stückl weiter nach rechts!” “Das Bein noch ein Stück höher!” “Nee, nee, nee, Stopp, zurück, noch a Stück” usw. :)

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Die nächsten Tage sind voll von Jeeps…. und natürlich unvergesslichen Panoramen in der Wüste: einem Vulkanenmeer, kunterbunten Lagunen, bizarren Felsformationen, scheuen Flamingos, grazilen Vicunas, einem knallblauen Himmel, leuchtend gelben Paramogras, einem zischenden und brodelnden Erdboden, heißen Quellen, Sonnenuntergängen, Sonnenaufgängen, rauchenden Vulkanen und mittendrin die staunenden Touris, die sich durch diese einmalige Gegend kutschieren lassen!

Machen wir das richtig? Zweifel kommen auf, werden hier doch täglich 50 Jeeps durchgeschleust… doch das Problem ist nicht die Menge, so der Guide, sondern die Art und Weise der Touren. Jeder kann hier machen, was er will, es gibt keine Reglements seitens der Regierung, stattdessen Hunderte Wege, die die Landschaft zerstören…. Was uns noch erschreckt ist der wahnsinnig geringe Wasserstand der Lagunen im Vergleich zu 2007! Es gruselt uns bei dem Gedanken, diesen Landstrich irgendwann an die Klimaveränderung zu verlieren. Es hätte, so der Guide, seit drei Jahren nicht mehr über diesem Flecken Erde geregnet! Unvorstellbar!

An der Laguna Blanca kurz vor der chilenischen Grenze werden wir zurückgelassen, immerhin wartet hier der knapp 6000m hohe Vulkan Licancabur auf seine Besteigung :) Sonst wartet niemand in dieser beinahe gottverlassenen Gegend auf uns. Der erste Schock ist schnell verdaut, als es entgegen der Angaben der Uyuni Agentur hieß, hier sei gerade kein Bergführer zugegen…. So ernennt sich der Parkranger schnell zu eben diesen und verspricht uns für morgen sicheres Geleit zum Gipfel. Die sehr nette Bekanntschaft mit den Radlern Marc, Indira und Juan von www.2greenprints.org bleibt ziemlich kurz als diese dann nach Chile aufbrechen. Und so blieben wir die nächsten 2 Tage unter uns, kein weiterer Tourist, das Wasser knapp, da die Gerätschaft zum Wasserholen defekt ist, kein Strom, absolute Stille in der landschaftlichen Weite… es klingt beinahe romantisch, aber – kein Heiratsantrag! ;) Nur die zahnlose Indiofrau und ihre Tochter, unser Guide mit der zahnschmerzenden dicken Wange und ein fast krankhaft in einen Taschenspiegel daherblickender Ranger durchbrechen ab und an unsere Zweisamkeit. Kann man hier irre werden?

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Unser Aufstieg am nächsten Morgen auf den Licancabur klappt hervorragend, auf die Bolivianer ist doch Verlass :) Mit dem Jeep juckeln wir zunächst in der 3 Uhr nächtlichen Dunkelheit zum Ausgangspunkt der Besteigung. Ab nun hieß es stetig serpentinenschön im Schotter und Fels 1400 Höhenmeter bergan, was wir doch irgendwie mit Bravour meisterten. 5 ½ Stunden später konnten wir den Gipfel mit einem Schrei in den Kratersee für uns verbuchen. Unter uns ein Ölgemälde aus 1000 Vulkanen und dem markanten Farbtupfer der Laguna Verde im Vordergrund. Wow! Der Abstieg traumhaft schnell -  wie schon? -  im Schotter! :) Abfaaaahrt!!! Eingestaubt bis hinter den Kiemen waren wir nur knapp über eine Stunde später an der Stelle, an welcher uns der Jeep rausgeworfen hatte. In unserem Rücken die unglaubliche Abfahrtspiste – ähm wie? Da sind wir runter? Unmöglich!!

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Den restlichen Tag schließlich verschlafen und verlesen schafften wir problemlos am nächsten Morgen den Sprung über die Grenze nach San Pedro de Atacama/ Chile, zwar langsamer als gedacht wegen eines Beamtenstreiks und zudem der erneuten Zeitverschiebung (wir sind nun nur noch 4 Stunden hinter Euch, wir rücken Euch immer näher, ergo, wir beginnen plötzlich, unsere verbleibende Zeit rückwärts zu zählen, wahhhh), aber man kann ja nicht langsam genug in die Zivilisation zurückkehren und die ist dann in diesem winzigen kleinen Wüstenort mehr als heftig, wenn man plötzlich mehr Touristen als es am Roraima Puri Puris gibt, trifft!! Zudem überteuert hält uns der Ort an, im niedlichen idyllischen Hostel zu bleiben, selbst zu kochen, die Leselektüre zu Ende zu lesen, sich in der Hängematte zu schaukeln oder einfach nichts zu tun :) Na ja, so ganz auf der faulen Haut liegen geht dann doch nicht, und so ahmen wir 2greenprints nach und üben uns am Fahrradfahren in der Wüste, wollen doch mal ein Gefühl für unser nächstes Abenteuer bekommen… ;)


Am Freitag dann haben wir uns mal wieder knapp 2 Tage durch die halbe Welt schuckeln lassen und sind dabei in Mendoza in Argentinien gelandet. Und ups, ungeplanterweise geht es morgen schon an das Abenteuer Aconcagua, wenn es heißt, sich den höchsten Punkt von Südamerika zu erkämpfen…. Ab morgen heißt es nun, für 20 Tage die Daumen drücken, solange gilt zumindest das Permit für die Besteigung!! :)

Wir versprechen hoch und heilig, vorsichtig zu sein und nichts zu riskieren und freuen uns auf einen Neujahrsgruß gemailt, telefoniert oder geskypt! Leider fallen nun die persönlichen Weihnachtsgrüße aus, dass wir so schnell in die Bergwelt abtauchen werden, war nicht geplant… aber was macht man nicht alles, um Geld zu sparen ^.^

Aus der heißen Sonne vorm ollen künstlichen Weihnachtsboame sitzend grüßen Euch herzlichst,

Claudy y Christian

Fachsimpelei über Boliviens Kuriositäten in Omas Garten

Bolivien Part IV – Urlaub in Coroicos üppiger Pflanzen- und Tierwelt

Was gibt es Schöneres, als sich in Omas Garten mal so richtig auszuspannen und verwöhnen zu lassen? Man nehme hierfür eine große Portion Wärme, kilometerlange Sonnenstrahlen, eine kleine Laube, zwei Liegestühle, einen Teller voll Zupfkuchen und Linsertorte und zu guter Letzt spannenden Lesestoff. Das Ganze paradiesisch ausgeschmückt mit einer üppigen Pflanzenwelt und neugierig daherblickenden Tierchen und jedes Mal aufs Neue vor einer uns amüsierenden Vogelgeräuschkulisse. Hm, o.k., Oma fehlt und die vielen Puri Puris und unser Autanbad lassen wir mal unter die Swimmingpoolkante verschwinden : )

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Genug Zeit, sich in der allabendlichen Gesprächsrunde über das Leben Boliviens auszutauschen…

Bolivien ist unser heimliches Lieblingsland in Südamerika. Natürlich kann man das nicht überall herumposaunen und somit ist immer das Land, in welchem wir uns befinden, das Schönste, wenn wir danach gefragt werden. Diese kleine Notlüge hilft immer, den Einheimischen ein Lächeln auf das Gesicht zu zaubern. Während ihr Euch mit Performancekünstlern und Pyrotechnikern – welche einen islamischen Hintergrund aufweisen – rumärgern müsst, ist es hier in Bolivien auch nicht leicht und wir haben uns mit den Besonderheiten des Landes auseinander zu setzen. Diese reichen vom Präsident – Evo Morales – bis hin zu Busfahrern und Kokaanbau.
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Nachfolgend nun eine kleine Aufzählung  aus dem Kuriositäten- Kabinett Boliviens

Berufsleben:

Busfahrer und Trucker
Der Verkehr in Bolivien besteht im Wesentlichen aus 4 Arten von Verkehrsteilnehmern 1) Busfahrer 2) Trucker 3) Taxifahrer und 4) sich hindurch windende Fußgänger in der Großstadt. Die verschwindend geringe Anzahl an privaten Autos lassen wir mal unter den Tisch fallen, da diese auch als Taxis arbeiten sobald sie jemanden sehen, der an der Straße winkt. Sowohl der Truckfahrer wie auch der Busfahrer sind um Ihre fahrenden Untersätze sehr besorgt. So werden sie in regelmäßigen Abständen durch die bolivianische Waschstraße (ein Fluss aus welchen Wasser gepumpt werden kann) geschleust, phantasievoll mit den aberwitzigsten Motiven bemalt (die reichen von nackten Frauen über wilde Löwen bis hin zu Osama und Che) und die Scheiben gewienert. Ein besonderes Augenmerk legen die Fahrer dabei auf die Pflege der Hinterreifen. Diese werden so oft wie möglich mit Eigenurin gereinigt. Der entscheidende Unterschied zwischen beiden Fahrertypen ist, dass der Trucker in der alten Kiste gemütlich mit 30 km/h und pechschwarzen Abgaswolken über die Hochebenen tuckelt und im Gegensatz dazu der Busfahrer das Blut von Michael Schumacher in sich trägt. Hier wird immer Vollgas gefahren, Überholmanöver vor der Kurve kein Problem und bergab erreicht er im Leerlauf Maximum Speed. Das Ziel eines jeden Busfahrers ist es, sein Gefährt möglichst vor dem des anderen zu setzen, um als Erster den nächsten Passagier an der Straße aufzulesen – wie heißt es doch so schön “Time is Money”

Fahrzielausrufer
In der größten Stadt von Bolivien, La Paz, wird der Nahverkehr durch Minibusse en masse in der Größe des VW-Busses abgedeckt. Im Unterschied zum VW Bus können sich offiziell bis 9 Leute auf  3 Sitzbänke im Heck verteilen  – natürlich sind es auch mal mehr. Der Platz an der Schiebetür wird aber immer vom Fahrzielausrufer besetzt. Trotz, dass die Fahrziele an der Frontscheibe ersichtlich sind, bedarf es noch einer Person, welche in einer für uns unverständlicher Geschwindigkeit die wichtigsten Haltestationen  während der Fahrt aus dem Fenster ruft. Diese Berufsgruppe scheint bestens geeignet, als Werbeträger für Wick Blau entdeckt zu werden.

Straßenblockist
Demokratie in Bolivien funktioniert etwas anders als in Europa. Zwar geht man auch hier zur Wahl aber das bewährte Mittel, seine Forderungen und Wünsche durchzusetzen, sind Straßenblockaden. Soll mein Dorf mit Strom versorgt werden – blockiere ich einfach die Hauptstraße. Ist der Zucker zu teuer – wird die Verbindungsstraße zwischen Ober- und Unterstadt in La Paz abgeriegelt. Dazu bedarf es nur ein paar Leute mit Latten in der Hand, eine geeignete Anzahl an Blechfässern und ein paar Baumstämmen – schon ist die Straßensperre fertig. Wenn dann kein Weiterkommen von A nach B möglich ist, findet das Anliegen bei den Obersten Gehör und es wird Besserung versprochen. Ein paar Männer haben hier Ihre Geschäftsidee für sich entdeckt und organisieren diese Straßensperren. Um die Auflösung der Straßensperre 100% zu gewährleisten, bedarf es noch ein kleine Aufmerksamkeit in Form von Geld, Auto oder Haus für den Organisator der Straßensperre und die Straße ist wieder frei – bis das nächste Problem gelöst werden soll oder die Organisatoren eine Aufmerksamkeit benötigen.

Weiterhin gibt es da die Berufsgruppen, welche auch in Deutschland auf ähnlicher Weise tätig sind oder die ein spezielles Handwerk ausüben. Zuerst genannt sind hier die Schuhputzer, die mit ihren Gesichtsmasken eher aussehen, als wollten sie die nächste Bank überfallen als den vorbeiströmenden Passanten die Schuhe direkt am Straßenrand zu putzen. Dann gibt es da noch den Saftpresser und die Popkorn-Verkäuferin. Diese beiden Berufsgruppen leben in einer für uns nicht nachvollziehbarer Symbiose. Die Gemeinsamkeiten bestehen darin, dass beide einen fahrbaren Verkaufswagen haben, an den gleichen Orten Ihre Waren an bieten und ihre Produkte uns geholfen haben, in La Paz zu überleben. Das kuriose ist dabei, dass man Saft nur früh und Popkorn ausschließlich abends kaufen kann, der Verkaufsplatz aber der gleiche ist. Nun fragten wir uns, ob die Berufsgruppen sich nicht leiden können oder die Kombination aus Saft und Popkorn gefährliche Reaktionen im Magen auslösen oder Popkorn nur im Dunkeln gelingen.

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Eine weitere Arbeitsbeschaffungsmaßnahme der Regierung ist, dass bei Behörden Dokumente wohl nicht handschriftlich aber dafür mit Durchschlag abgegeben werden müssen. Da viele Bolivianer nicht über die geeignete Technik zu Hause verfügen, stehen vor den Behörden die geeigneten Dienstleister  bereit. Bewaffnet mit einer Schreibmaschine warten sie auf Behördengänger, die ein geeignetes Papier benötigen, um dieses anzufertigen.

Bauwesen

Die Hingucker in der bolivianischen Architekturlandschaft sind die altehrwürdigen Kolonialbauten mit ihren ausladenden Balkonen und die prunkvoll ausgestatteten Kirchen. Das gemeine Volk lebt in Flachbauten entweder aus Adobesteinen oder Mauerziegeln. Im Gegensatz zu unseren Breiten werden hier Häuser allen Anschein nach nicht nach Plan gebaut. Es gibt immer ein Haupthaus, an welches je nach Platzbedarf oder Geldmitteln die verschiedensten Anbauten vorgenommen werden. Das Dach bildet dabei oft die Decke des noch zu errichtenden Obergeschosses, während die Treppe schon fertig gestellt ist und ins Nichts ragt. Eine Besonderheit sind die Häuser, die mal aus mehreren Etagen bestehen sollen. Der Rohbau ist soweit fertig, aber einzelne Etagen weisen den unterschiedlichsten Baubestand auf. So kann es sein, dass der dritte Stock voll ausgebaut, ausgeschmückt und bewohnt ist, aber im 2. und 4.  Stock nur die Treppen vorhanden sind. Wo geht da wohl das Fallrohr vom WC hin?

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Straßenbau ist hier noch schwere Handarbeit. Mit Spitzhacke und Schaufel wird der Asphalt aufgehackt, Beton wird auf der Straße aus Zement und Sand angerührt und Holzverschalung von Hand zugesägt. Das dauert natürlich alles etwas länger als es mit Maschinenkraft möglich wäre. Zum Ausgleich hat man sich dafür überlegt, einfach mehr Arbeiter einzusetzen. Das Ergebnis verbessert sich dadurch aber nicht, da immer nur einer arbeitet und 5 ihn dabei eindringlich beobachten und genau hier liegt auch die einzige Gemeinsamkeit mit Deutschland.

Einkaufen

In Bolivien kann man alles kaufen und das zu fasst jeder Zeit. Egal ob man 22 Uhr noch ein paar Kekse benötigt oder getrocknete Lamaföten für den anstehenden Hausbau oder  Kokablätter für seinen Gute – Nacht -Tee…  – alles ist möglich. Die Frage ist nur, wo findet man das alles? Einkaufszentren oder Supermärkte sind so gut wie nicht vorhanden. Dafür gibt es kleine Tante-Emma-Läden, die für die Grundversorgung zuständig sind. Aber wo der Rest erhältlich? Hierfür gibt es Unmengen von Nomadenhändler, die jeden früh ihren Stand vom Neuen am Straßenrand errichten und ihre Waren darbieten. Ah alles klar, einmal Straße rauf und runter und schon hat man seinen Einkaufszettel abgearbeitet. Nee so einfach ist es auch nicht. Die Straßenhändler haben die Straßen nach Themen aufgeteilt. Da gibt es die Tomatenstraße, Bananenstraße, Hosen-, Schuh-, Fleischstraße und so weiter. In den jeweiligen Straßen bekommt man dann nur Dinge einer Warengruppe und muss dann je nach dem was der Einkaufszettel verlangt zur nächsten Themenstraße weiterziehen. Vielleicht sollte man daraus mal eine Art Stadtführung durch La Paz veranstalten. Scheint mir eine gute Geschäftsidee für eine Agentur hier – Stadtführung nach Einkaufszettel.

Politik

Die beherrschende Figur der bolivianischen Republik ist der Präsident -Evo Morales – höchst persönlich. Als erster indigene Präsident auf dem südamerikanischen Kontinent hat er seine Amtszeit mit viel Vorschußlorbeeren in seinem eigenen Land begonnen, während vor allem die USA nicht in Hochstimmung verfielen. Als einfacher Kokabauer – nein die stellen keine Kokain her, sondern pflanzen auf ihren Äckern nur den Kokastrauch an – gestartet, hat er es bis zum Präsident von Bolivien geschafft. Angetreten, um die sozialistische Idee in die Tat umzusetzen, kann er sich vor allem auf seinen Kumpel Hugo Chavez verlassen, wenn das Land in die Schieflage gerät. Die Öl-Dollar aus Venezuela werden hier gern genommen, dafür aber die US-Drogenpolizei und auch mal ein Botschafter aus dem Land geworfen. Privateigentum wurde teilweise enteignet und unter staatlicher Kontrolle gestellt. Das Dumme dabei ist nur, dass diese Betriebe starke Einbusen in ihrer Leistungsbereitschaft hinnehmen mussten. Dem einen oder anderen scheint dieses Phänomen ja noch aus vergangener Zeit bekannt zu sein.

Mr. Morales machte aber auch noch mit verschiedenen Äußerungen weltpolitisch auf sich aufmerksam. So verkündete er auf dem Klimagipfel, das der Verzehr von Hähnchen und Pommes Frites wegen der Hormon- und Genbehandlungen homosexuell macht und zur Glatzenbildung führt. Weiterhin hat er auch noch einen Verbrauchertipp parat: Coca-Cola eigne sich vor allem gegen verstopfte Abflussrohre, weniger jedoch zum Verzehr.

Sport

Der Volksport Nummer eins in Bolivien heißt ja zweifelsfrei Fußball. Dieser Sport ist hier das beherrschende Thema und wird überall im Land praktiziert und per TV konsumiert. Wie wichtig dieser Sport für das gemeine Volk ist, zeigt der Umstand, dass man für die Gründung eines Dorfes die folgenden Gegenstände besitzen muss:
1) 4 Latten welche 2,44 Meter lang sind
2) 2 Latten welche min 7.32 lang sind
3) Ein Grundstück von min 90 x 45 Meter

Wer sich ein bissel auskennt, hat sofort registriert, dass diese Gegenstände notwendig sind, um einen Fußballplatz mit 2 Toren zu errichten. Der Bolzplatz wird immer zuerst geschaffen und dann erst die Wohnhäuser. Wir haben hier die verschiedensten Formen von Plätzen gesehen, welche sich für ein Fußballspielchen eignen. Da gab es Plätze mit einem Haus darauf, Plätze, bei welchen die Mittellinie gleichzeitige die Durchfahrtsstraße war und Plätze mit fest installierten Siegerpodest und Fahnenhaltern in Orten die nur zwei Häuser umfassten.
Das kurioseste Fußballspiel fand aber wohl auf dem Gipfel des Vulkans Sajama statt. Ja, genau der Berg, auf den ich nicht raufgekommen bin und mit über 6500 Meter der höchste Berg von Bolivien ist. Hier hatten sich ein paar Bergführer mit 10 Bällen und 2 Plastik Toren versammelt, um eine Rekord im Höhen-Fußball aufzustellen.
Auch der Präsident ist ein großer Verfechter der Sportart und nimmt von Zeit zu Zeit immer wieder an einem Spielchen teil und ist dabei nicht gerade zimperlich. So hat er sich schon die Nase gebrochen oder seinen Gegner mal einen ordentlichen Tritt in die Eier verpasst.
Der Bolivianer kennt aber durchaus auch den internationalen Fußball und so werden uns die Namen von Beckenbauer, Rummenigge und Klinsmann zugerufen, sobald wir zu erkennen geben, dass wir aus Deutschland kommen.

Und nun Schluss mit unseren Geschichten aus Bolivien, obwohl man sicher ein Buch darüber verfassen könnte… ABER, wir sind mittlerweile in Chile gelandet, ergo beginnt die Sammlung von Kuriositäten zu einem anderen Land von Vorn…
Die unendlichen Weiten und Faszinationen der disiertos blancos y lagunas colores im südlichen Bolivien haben wir leider schon hinter uns und sitzen nun inmitten der Atacama Wüste im kleinen staubigen Ort San Pedro de Atacama mit anderen unzähligen Touristen… ein weiterer Newsletter erwartet Euch die Tage, womöglich sind wir dann bereits in Argentinien…
Das Schnee- und Winterchaos in Deutschland ist für uns so unvorstellbar weit weg, wenn über uns die Wüstensonne unsere Haare versenkt. Von Weihnachtsgefühlen keine Spur…

Wir wünschen Euch, gut durch das Schneegestöber zu kommen und eine stressfreie Adventszeit zu genießen!!

Hasta Luego,
Christian y Claudy

Zu Besuch beim König von La Paz

Bolivien Part III – Traumzauberwelt auf dem Illimani, 6.438m

Hoch über La Paz thront der Berggigant und scheint schützend den Frieden vor dem Unheil zu bewahren. Seine Exzellenz winkt uns herbei, wir werden seiner Einladung folgen :)

Über Carlos, welcher selbst die nächsten Tage auf der Autopista vom Huayna Potosi beschäftigt sein wird, finden wir zu unserem neuen Guide Augustin und seiner in dicken Rockschichten eingekleideten Indiofrau Alisia. Wir wagen es in eher unsichere Gefilde, ergo ohne eine Agentur den zweithöchsten Gipfel Boliviens anzugehen. Wir sollten von Beginn an bis kurz vor dem Ende nicht enttäuscht werden. Wieder erschrecken wir über die überaus große Pünktlichkeit, mit welcher Augustin uns vom Hostal abholt. Die scheinen eine deutsche Schule durchgemacht zu haben, anders ist dieses Phänomen hier in Südamerika nicht zu erklären!

Und wieder mal lohnt sich beinahe schon die Anfahrt zum Ausgangsort allein, so sehr ziehen uns die goldenbraun schimmernden Felsnadeln des Valle de Animas und des Palca Canyon in ihren Bann! La Paz liegt so unglaublich fantastisch! Unerschrocken schmiegen sich die Ziegelhäuser in diese gigantische Bergwelt. Der Himmel strahlt, die Sonne brennt und der Wüstenstaub zwirbelt einen heißen Tanz um unsere Nasen. Ein ausgetrockneter Flusslauf wird zur Straßenführung durch die Felsenschlucht genutzt, bevor es in eine trockene Bergeinöde geht, in welcher sich die abmühenden Bauern versuchen, ihr Überleben zu sichern. 3 Stunden dauert die Berg- und Talfahrt, dabei scheint doch der Illimani von La Paz aus so greifbar nahe zu sein…

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Im kleinen Bergdorf Pinaya schließlich Endstation für den eingestaubten Toyota, der direkt auf den Fußballplatz des Örtchens fährt. Dieser scheint nicht nur für die Dorfjugend mit dem runden Leder herzuhalten. Platzwarte sehen hier anders aus…   wühlende Schweine tummeln sich auf ihm, eine Stute, die ihr Fohlen säugt, Mulis und Kühe, die auf ihm grasen und zu guter Letzt beherbergt der Fußballplatz in seiner Mitte einen steinernen Pavillon als soziales und kulturelles Zentrum des Dorfes. Anstoß wird hier anders begangen, wahrscheinlich mit Bierflaschen in der Hand im Pavillon… ;)


Wir haben uns dieses Mal für eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme entschieden und lassen unser schweres Gepäck von Mulis und Trägern bis ins Hochlager bringen. Das schlechte Gewissen versuchen wir indes damit zu besänftigen, unsere halben Süßigkeitenvorräte an die Porterfamilie zu verschenken :)


Zunächst verbringen wir eine Nacht im Basislager des Illimani auf 4.500m, dafür müssen wir vom Dorf aus gerade mal 2 Stunden laufen. Der Anblick auf den Berggigant wirkt von hier verzerrt. Wir sind nicht betrunken! Aber der Koloss hat sich in eine Bergkette verwandelt! Es kann sich unmöglich um einen Berg handeln, so faszinierend seine Gipfel, so unterschiedlich, wild und zerklüftet! Lamaherden empfangen uns im Auenland, was unser erstes Nachtlager werden soll. Idyllisch verabschiedet sich der Tag von uns, unter unseren nackten Füssen Feuchtwiesen, weiter entfernt spielende Kinder, die in der Abenddämmerung das Vieh nach Hause treiben und am Fels wieder einmal Lichtspiele im Goldrausch! Der Smog über La Paz ist der Dunkelheit entwichen und uns präsentiert sich ein Goldstreif am Horizont – weit entfernt das lodernde Lichtermeer des Friedens! Seine Exzellenz bittet um Nachtruhe :)

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Am nächsten Morgen muss Kriese mit erschrecken feststellen, dass er gealtert ist. In einem 5stündigem Geburtstagsmarsch tragen uns unsere leichtfüßigen Beine in das Kondornest, welches der König auf 5.500m für uns bereithält. Als besonderen Schmackes träufelt er unterwegs auf dem Felsgrad etwas Puderzucker auf uns herab, nur der Geburtstagskuchen bleibt leider aus, da nützt auch der Wind nix, der die Kerzen auspusten sollte! Als das der König endlich registrierte, ließ er im Hochlager endlich wieder Sonne auf das Haupt des Geburtstagskindes scheinen, so dass wir vergnüglich den Nachmittag mit dem Bestaunen der riesigen Schneelandschaft mit ihren faszinierenden Eisgraten, Gletscherbrüchen und Eisskulpturen verbringen konnten. Nur die Kreuze etwas über uns zeigen, welchen Weg wir nicht einschlagen möchten. In einem kleinen Felsfriedhof werden der verunglückten Bergkameraden gedacht….
Eine weitere Gruppe teilt sich mit uns das Lager und genießt ebenso wie ich den Anblick des sich im roten Abendhimmel abzeichnenden Vulkankegel des Sajama weit am Horizont. Lediglich Kriese kriegt die Krise bei dieser Weitsicht und schließt den Vorhang des Kochzeltes :) Unter uns erneut die flackernde Lichterflut der Königsmetropole, mit welcher seine Exzellenz uns zum Schlafengehen mahnt, die Nacht wird kurz!

Die Frage, die sich sicher viele stellen, stellen wir uns während der Touren auch des Öfteren: Warum mache ich das Ganze hier?? Die Antwort, die wir bereits kennen, versuchen wir irgendwie möglich in den Bildern festzuhalten, die für die vielen Augenblicke sprechen! Es gibt so viele Gründe wie es Augenblicke gibt! So auch bei diesem Gipfelsturm, welcher zudem mit Erfolg für uns beide gekrönt war!  Nach 6 ½ Stunden Bergsteigen durch die sagenumwobene Gletscherwelt des Königs und zwei 55 Grad geneigten Steilpässen mehr in unseren Armen und Beinen ergötzten wir uns an einem wunderbar sonnigen Tag über den Wolken auf dem Gipfelgrad des Illimani an dem Rundumpanorama, welches sich uns bot :) Unglaubliche 60 Minuten konnten wir uns auf diesem einmaligen Fleckchen Erde aufhalten, sechseinhalbtausend Meter über dem Meer! Die Sonne gibt alles an diesem Morgen :) Nur für den Kammerlander, für den muss ich noch üben… mein Kopfstand auf dem Dach von La Paz scheiterte an meinen schweren Plastikbotten mit dem angeschnürten Eisen drunter… Verdammt, so erhob sich lediglich mein Hintern zum morgendlichen Sonnengruß! Ich hoffe, seine Exzellenz verübelt es mir nicht… ;)


Der Abstieg war endlich wieder ganz nach unserem Geschmack. Zwar waren wir geschafft und ausgebrannt von der Hitze, aber es ging zügig voran! Kriese meinte noch kurz vorm Hochlager, seine Plastikschuhe genauestens austesten zu müssen und rammte sich bei einem Ausrutscher eine Eiszacke des Steigeisens durch die Plastik, durch den Innenschuh, durch die dicke Socke an die Haut seines Fußes. Die hielt dann zum Glück dicht… altes Leder! :)) Ein ausgiebiges Bad des Schuhs wird später zeigen, ob die reparierte Stelle ebenfalls dichthält für die nächsten Bergtouren… wenn nicht, Weihnachten steht ja vor der Tür :)

Von Alisia wurden wir mit einer leckeren heißen Suppe im Kondornest empfangen, länger war uns keine Pause vergönnt… das Zelt wollte Augustin abgebaut wissen und die Rucksäcke gepackt. Uff! Aus Dankbarkeit für die gelungene und überaus sichere Bergtour stimmten wir zu, mit einem Gewaltmarsch bis zum Dorf abzusteigen. Die ersten Höhenmeter über Blockgelände und glatt geschliffenem Gestein verhinderten ein schnelles Vorankommen. Zu unserer großen Überraschung, dass die Welt doch so klein ist, verfielen wir in einen kurzen Plausch mit dem Schweizer vom Sajama, der sich gerade im Aufstieg zum Kondornest befand und in der kommenden Nacht dieses Wahnsinnserlebnis in sich aufsaugen möchte. Große Freude ob des Wiedersehens, hoffentlich klappt es mit einem Gipfelbier in La Paz :)
Nach der letzten Herausforderung des Weges über den über Nacht zu einem reißenden Strom angeschwollenen Fluss hatten im Dorf schließlich die Einwohner mit uns einen Platzwart mehr für ihren Fußballplatz inklusive Platzwarthäuschen, als wir unser Zelt auf dieser grünen Fläche aufschlugen. Unsere letzte Tafel Schokolade teilten wir dörflich mit den Versammelten und die große Pepsicola ersetzte die Friedenspfeife vorzüglich :)

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Während wir dann des Nachts friedlich schlummerten, heckten die Dorfbewohner einen Plan aus. Sie dachten sich wohl, dass Kriese sich nichts sehnlichster wünschte, als die Dakar Rallye im super Toyota mal auf der Staubpiste nach La Paz auszuprobieren. Und so geben sich Augustin und der Fahrer mit den Dorffreunden mal so richtig die Kante und empfingen uns am nächsten Morgen lallend mit starkem Restalkohol im Blut im Auto! Die ersten 40 Minuten der Fahrt waren wohl die Schlimmsten unserer gesamten Südamerikatour! Doch bitte nicht so sterben!! Ich schimpfte laut mit “Shit” und “Scheiße”, die Worte verstand man doch fast immer überall!! An einer Kurve rief ich laut “Tranquilo!!”, zu schnell ging der betrunkene Fahrer die Kurve an! In einem Dorf schließlich die Erlösung, als Kriese wieder Mal das Steuer übernahm und die bevorstehende Strecke mit Bravour meisterte, während auf der Rückbank eine ganze Weile munter gequatscht und später geschlafen und rumgefurzt wurde. Der Alkoholschiss grüßt… ;)

Ihnen war der Ernst der Lage lange nicht bewusst! Unser Abschied in La Paz erfolgte mit einem ermahnenden Zeigefinger. Schade für Augustin als einen tollen Bergführer für diesen letzten bleibenden Eindruck!

Seine Exzellenz derweil hielt sich nach unserem Erfolg bedeckt, eine riesige Gewitterfront ließen wir hinter uns.

Um die schöne wegen ihrer Faszination jedoch schwere Kost der letzten beiden Bergerlebnisse in Ruhe zu verdauen und damit sich Kriese von der Reparatur unseres aus heiterem Himmel total gecrashten Laptops erholen kann, ließen wir uns für ein paar Tage in den niederen und wärmeren Yungas unweit von La Paz nieder. In dem bereits uns bekannten idyllischen Städtchen Coroico, welches sich sanft an die Berghänge der Nebelwälder schmiegt, finden wir ein optimales Plätzchen für einen weiteren Urlaub vom Urlaub :)

Euch wünschen wir von Herzen, einen schönen ersten Advent gehabt zu haben, auf dass ihr kräftig Glühwein für uns mitschlürft auf dem von uns vermissten Weihnachtsmarkt! Von vorweihnachtlichen Gefühlen hier keine Spur. Ab und an klitzern Weihnachtskinkerlitzchen von den Ständen, bei dickem Sonnenschein und in Tevas latschend aber schlecht einzuordnen für uns ;)

Herzliche Adventsgrüße an alle von den Geschichtenerzählern

Claudy y Christian :)

The desert inside

Bolivien Part II – Sieg und Niederlage am Sajama, 6.542m

So oder so ähnlich hätte die Überschrift in einer Zeitschrift der 1940er Jahre wohl zu unserer kleinen Reise zu dem Berg, der sich innerhalb von Bolivien am höchsten gegen den Himmel streckt, geheißen. Vornweg, es war weitaus weniger dramatisch wie es sich anhört, mal abgesehen von der Anreise aber dazu ja gleich mehr.

Alles begann wie immer – der Trip war bei Travel Tracks gebucht, der uns bekannte Fahrer -Freddy – holte uns zu einer für Bolivien ungewöhnlichen Pünktlichkeit ab, in welcher wir derart überrascht waren, dass noch nicht alle Sachen zusammengepackt und Freddy auf uns warten musste :) Wir wühlten uns durch das Verkehrschaos von La Paz, um noch unseren Guia Carlos aufzulesen und schon befanden wir uns auf dem Weg in die abgeschiedene Region rund um den Sajama. Natürlich waren noch einige Stopps von Nöten, um alles, was noch fehlte, unterwegs zu besorgen. Hier in Bolivien ist es ein Leichtes, eine Reise anzutreten, ohne dass man sich vorher mit den notwendigen Proviant versorgt hat. An jedem Haltepunkt belagern Indio-Frauen die Autos, um dort Ihre Waren an den Mann zu bringen. Dabei ist die Auswahl riesig und reicht von Kalt- und Heißgetränken, über verschiedene Obstsorten, Süßigkeiten und Gelatine bis hin zu fertigen Mittagsmenüs praktisch verpackt alles zusammen in einer Plastiktüte – Mahlzeit! :) Wir ganz ostdeutsch haben natürlich brav vorgesorgt mit geschmierten Brötchen, Keksen und ausreichend Getränken.

Die Fahrt führt uns direkt aus dem Moloch La Paz in eine wüstenähnliche Landschaft. An unserem Fenster fliegen bizarre Felsformationen, verlassene Dorfhütten und Steppenland vorbei. Je weiter wir uns Richtung chilenische Grenze vorarbeiten, desto staubiger wird die Gegend. Fans von Brauntönen werden sich in diesen Landstrich verlieben. Auf der Straße ist nicht viel los – die Gefahr, mit einem der vielzähligen Lamas am Wegesrand zusammenzustoßen ist größer, als ein anderes Auto zu rammen. Im Auto gibt sich der Guia seiner Müdigkeit hin, während Freddy versucht, das Auto auf der richtigen Spur zu halten. Leider scheint unserem Fahrer die Monotonie der Strecke nicht  zu bekommen und ihm fallen immer wieder die Augen zu. Per Blindflug durch die Wüste – nein danke! Wir nutzen den nächsten Stopp, um einen Fahrertausch vorzuschlagen, welcher dankbar angenommen wird. Natürlich kann der Guia nicht fahren, da dieser zu höheren Aufgaben berufen ist! Somit darf ab sofort ich den Minibus durch Bolivien schaukeln. Selbstverständlich ohne Führerschein – das macht aber nichts, da sich die Polizei hier nicht rum treiben, geschweige denn Kontrollen durchführen wird.  Nach ein paar Problemen mit der Schaltung und der ungewohnten Lenkradstellung inklusive -spiel juckele ich das Teil gemütlich über die Straße bis es auf die Schotterpiste Richtung Berg geht. Selbst da wird noch meiner Fahrtkunst vertraut – ich kann den Bus bis zur letzten Etappe über die Kiespiste lenken. Rechts von uns zeichnet sich schon seit einer Weile die Kegelform vom Sajama ab. Das Wetter heute eignet sich hervorragend für einen super Postkartenausblick auf unsere bevorstehende Herausforderung. Welch ein Klotz von Berg!! Wow! Er ragt über 2,5 km über unserer asphaltierten Plattform hinaus und steht allein und verlassen im Wüstentraum. Lediglich die etwas kleineren Vulkannachbarn stehlen ihm mit ihrer in der Sonnenglut erscheinenden Farbenpracht die Show. Die beiden Zwillingsvulkane Parinacota und Pomerape haben keinen Grund, sich zu verstecken!

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Der Ausgangspunkt für unseren Fußmarsch zum Basislager ist zugleich der Endpunkt der Straße. Dick befellte und treudoof daherschauende Esel für unser Gepäck begleiten uns auf den vor uns liegenden 1,5 Stunden dauernden Weg. Auf dieser Strecke erfahren wir bereits, was es heißt, den Sajama besteigen zu wollen:

1) Der Weg ist aus Staub
2) Der Staub will deinen Körper!
3) Der Staub will mit Hilfe deiner Kleidung aus dieser hitzigen Trostlosigkeit entfliehen!
4) Staub schmeckt nicht, besonders dann, wenn der Abstand zu deinem Vordermann zu kurz ist oder man nicht als Erster geht
5) In Staub/Sand zu laufen, ist äußerst mühsam
6) Die Sonne brennt immer und Schatten ist nicht!
7) Das Wind – Staub – Gemisch kommt immer von vorn!
8) Jede noch so kleine Pore deines Körpers und Schlafgemachs setzt sich mit den witzigen Körnchen zu!

>> the desert inside <<

Am Basislager erwartet uns die gewohnte Routine – Zeltaufbauen, alles einräumen und ganz wichtig – Zelt zumachen, sonst hat man auch seine kleine private Wüste im Stoffhaus. Mit uns ist noch ein Schweizer hier mit einem Bergführer aus dem nahe gelegenen Dorf.

Während dessen bauen Freddy – er ist ab sofort nun unser Koch – und Carlos ihre Schlafbleibe und obendrein ein riesiges Küchenzelt auf, welches das Alfred-Brehm-Haus nicht nur der lila Farbe wegen in den Schatten stellt. Wir können es nicht fassen, so unwirklich der große Fetzen aus Stoff in dieser andinen Wüstengegend!! Dafür ist das Essen gut und reichlich und die Nacht sternenklar. Wir genießen den Blick auf den alles überragenden Sajama und sehen den morgigen Tag mit etwas Grummeln im Bauch entgegen. Carlos hat uns den Weg in das Hochlager gezeigt und uns mitgeteilt, dass es dort um diese Jahreszeit kein Wasser gibt. Das bedeutet, alles muss von hier nach oben geschleppt werden. Wir brauchen für diese Höhen um die 5.700 m normalerweise 5 bis 6 Liter täglich zu trinken, damit es mit der Höhe kein Problem gibt. Erschrocken zeigte uns Carlos per Fingerzeichen die Trinkmenge an, die er benötigt. Wahrscheinlich verwechselte er es mit einem Whiskyglas!!

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Am nächsten Tag dann also der Aufstieg zum Hochlager. Irgendwie muss man ja die 1000 Meter Höhenunterschied überwinden und da hilft es nur, an die nächsten 100 Höhenmeter zu denken. Also Plastikbotten die für minus 20 Grad gebaut sind bei 30°C angezogen, Rucksack geschnürt und los geht’s. Zum Glück haben wir einen Träger, der uns das Zelt abnimmt und auch noch etwas Wasser mit nach oben bringt. Nach ein paar Minuten qualmen die Füße, der Rucksack drückt, der Mund ist trocken und die Nase voller Staub. Immerhin sind es jetzt nur noch 4:50 Stunden und nicht mehr 5. Aber wir schaffen es Stück für Stück und kommen vor der “Normalzeit” im Hochlager an. Leider sind wir auch ganz schön geschafft von der Buckelei und dem Sandgelaufe – 2 Schritt vorwärts, 1 Schritt rückwärts. Da hilft nur eine kleine Siesta im Zelt mit Paranüssen zwischen den trockenen Kiemen. So gestärkt können wir uns auch an der einmaligen Lage des Lagers erfreuen. Die Aussicht ist einfach fantastisch!

Für alle, die sich schon immer gefragt haben, was man in so einem Hochlager eigentlich macht, hier die Aufklärung: schlafen (wenn es nicht zu heiß ist), essen (soweit es geht), viel trinken (wenn Wasser da ist), Karten spielen (wenn man verlieren kann) und die grandiose Aussicht genießen (wenn keine Wolken da sind). Wir haben Glück und können bis auf das Trinken alles umsetzen. Für den abendlichen Gipfelaufstieg, der gegen 1 Uhr starten soll, gibt es noch letzte Anweisungen von Carlos. Nach einem andinen Feuerzauber an den ehrfürchtigen Felswänden geht es in die zweite Nacht, die nur 4 Stunden für den Schlaf bereithält.

Punkt Mitternacht klingelt bei uns der Wecker – Koch und Guide geben keinen Muckser von sich. Na gut, bleiben uns noch ein paar Minütchen zum Weiterdösen. Jedoch sind wir wegen dieses gewonnenen Vor – sich – hin – Dämmerns erst um 2 Uhr startklar für den Gipfelsturm – 1 Stunde zu spät mit der großen Hoffnung verbunden, dass dies sich nicht rächen möge!

Mir geht es so La La, irgendwie ein komisches Gefühl im Bauch. Nach der ersten halben Stunde entschließt sich mein Mageninhalt, auch etwas von dieser wirklich schönen Landschaft sehen und gern nach draußen zu wollen. Ist mir zwar unverständlich, da hier ohne ausreichende Beleuchtung nichts zu sehen gibt. Was soll ich machen? Ich gebe nach!!! Das ist nicht besonders förderlich für einen langen anstrengenden Gipfelaufstieg. Ich gebe mir noch einen kräftigen Ruck und probiere es noch weitere Schritte bergauf. Irgendwie werde ich aber das Gefühl nicht los, dass das heute nicht mein Tag wird! Aber die Claudy, die kann es schaffen! Da bin ich ganz fest von überzeugt. Somit steht für mich fest: Ich steige ab und Carlos und Claudy gehen weiter nach oben. Während ich mich im Stirnlampenlicht in Richtung Zelt begebe, drücke ich der Claudy alle Daumen, dass sie für uns den Gipfel holt. Alles was jetzt so passiert, kann euch die Claudy einfach besser berichten, da sie es ja erlebt hat, während ich im Zelt gefaulenzt habe :)

Da stand ich nun! Das Wetter war mehr als optimal für einen Gipfelversuch. Es war windstill und die befürchtete Kälte blieb zu unserem Glück aus. Wieder lachte uns der Mond, brauchte aber dieses Mal die Unterstützung unseres Stirnlampenlichts. Wir haben gut geschlafen und gut gegessen. Alles sprach für einen erfolgreichen Gipfelsonntag. Nur die müden Beine wollten nicht so recht nach oben. Erschreckenderweise fand ich von Beginn an keinen Tritt und musste nach jedem 10. -20. Schritt kurz pausieren. Bei Kriese scheint es besser zu laufen, er klebt an den Fersen von Carlos. Verdammt, war es das bei mir? Und plötzlich bleibt Kriese auch stehen, für etwas länger. Er musste sich übergeben, sprach von Umkehr. Wir versuchten noch weitere gemeinsame Höhenmeter im steilen Geröllgelände, dankbar für jede Serpentinenkurve, markiert sie doch, wieder etwas noch oben gestiegen zu sein! Kriese fühlt sich nicht gut und entscheidet, jetzt hier abzusteigen, um mir die Chance zu geben, nach oben zu können. Weiter oben im Fels und Eis würde eine derartige Entscheidung die Umkehr für uns beide bedeuten!
Da stand ich nun, zerrissen, zwiegespalten… in mir schrie es nach Aufgabe, nach Zelt, nach Schlafen legen, nach gemeinsame Sache machen… Doch ein anderer Teil sagte mir, dass alles optimal ist, ich mich insgesamt doch gut fühle, keine Kopfschmerzen, keine Übelkeit, keine Atemnot… das Wetter steht auf unserer Seite! Der andere Teil sagte mir, dass ich es schaffen werde trotz meiner Langsamkeit! Auch Carlos macht mein Schritttempo keine Sorgen. Kriese spricht mir Mut zu. Wir verabschieden uns noch unterhalb der 6000m Marke. Ein komisches Gefühl, welches mich zum Kämpfen anspornt!

Sehr langsam geht es nun ohne Kriese weiter hinauf. Mein Tempo verändert sich nicht, 10-20 Schritte, dann kurz stehen bleiben, um dabei festzustellen, dass es mir doch gut geht. Es ist dieser verflixte Rhythmus, der sich nicht finden lässt in diesem Geröllhaufen und die Müdigkeit in meinen Knochen fördert. Einige Zeit später nimmt mich Carlos ins Seil, eine leichte Kraxelei im steileren Gelände folgt, gefährlich wegen des losen Gesteins, aber eine Wohltat für meinen Körper, der die längeren Pausen durch Carlos´ Vorstieg zu genießen weiß :) Nach einer halben Stunde ist es auch leider schon wieder vorbei. Weit über uns das Stirnlampenlicht des Schweizers, der uns etwa eine Stunde voraus ist. Es entmutigt mich. Der Glaube an mich geht verloren, an diese Stelle jemals zu gelangen! Doch plötzlich eine riesige Sternschnuppe am Himmelszelt. Ein Freudenlächeln huscht über mein Gesicht. Sie gibt mir Kraft und lässt mir den einen Wunsch frei… ich werde es schaffen :) Im losen Fels- und Geröllgelände ließ ich weiter meine Kräfte.

3 Stunden nach Gipfelanbruch standen wir vor dem atemberaubenden und dem viel gefürchteten Büsereis. Unklar für mich, wie es da hindurch zum höchsten Punkt gehen soll. Eine aus Eis geformte Mauer tat sich vor uns auf! Ich verschwendete keinen Gedanken daran, sondern nutzte die Gunst des Steigeisenanlegens zum Ausruhen. Am Horizont zeichnet sich bereits der Morgen ab, die Zwillingsvulkane erröten leicht bei meinem Anblick :) Die ersten Schritte durch dieses Eislabyrinth bereiten mir Vergnügen. Es sind geringfügig ansteigende Serpentinenwege, die uns Carlos frei klopft und es geht nur langsam voran dabei, gut für mich :) Ich fühle mich beim Durchstreifen des Eisfeldes in eine Traumwelt versetzt, in welcher mir das unter meinen Tritten zerklirrende Eis eine zauberhafte Melodie spielt! Lieblich anzuhören trägt sie mich elfengleich sanft dahin…. Elfengleich…. Sanft … Aus der Traum!! Die Penitentes werden knie hoch, es geht querfeldein! Nun muss wieder kontinuierlich gelaufen werden, dabei finde ich doch erneut meinen Rhythmus nicht! Es ist steil und das stetig und ich übe mich im Klettern, Balancieren, Rumeiern. Die Spalten rechts von mir sind mir egal, schlecht wird mir beim Anblick des weiteren Weges und ich weiß aus Beschreibungen, dass diese eine Kuppe nicht der Gipfel sein wird! Das Büsereis wird zwar etwas flacher, aber ich finde darauf keinen guten Halt, der Eispickel hängt nutzlos an meiner Hand. Er kann mich in dieser Unebenheit nicht unterstützen und meine investierte Kraft verpufft an den abbröckelnden Eisskulpturen! Carlos wird langsam unruhig, noch immer laufe ich mein 10-20 Schritttempo. Es wird eng mit der Zeit, sobald die Morgensonne das Eis küsst, sollten wir uns auf dem Rückweg befinden.

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8.00 Uhr schließlich hole ich meine Gletscherbrille aus dem Rucksack, ich muss mich eincremen und denke dabei, dass es vorbei ist. Zu langsam. Ich habe alles gegeben. “Quieres la cumbre?” Ich nicke schüchtern. Carlos überlegt lange. Der Schweizer kommt uns entgegen, er hat es geschafft. Noch 1 Stunde sei es bis zum Gipfel, das Gelände flacher und leichter zu steigen. Wir gehen weiter! Trotz das ich mich anstrenge wie verrückt, bin ich gefühlt nicht schneller. Aber meine Stehpausen nehmen ab, ja, komm, reiß Dich zusammen! Meine Jugend holte mich ein und die New Kids säuselten mir etwas von “Step by Step” ins Ohr, brrrrr, ein Grund schneller zu laufen ;)
Und plötzlich, es ist 8.45 Uhr, meint Carlos, so, hier ist der Gipfel! Wie? Hä? Mir ist der Moment abhanden gekommen, dieses sagenumwobene Gefühl des Steigens auf dem sich dahinneigenden  und sich ankündigenden Gipfels. Das konnte unmöglich der höchste Punkt Boliviens sein! Es kann mir nicht jemand einfach sagen, so, hier ist er, ohne dass ich es mitbekommen habe! Aber rings umher zeigt sich mir keine weitere Erhebung, uns offenbart sich eine große weiße weite Fläche. Ich realisiere es trotz geringfügiger Skepsis, ich habe es geschafft!! Ich habe uns den Sajama für unsere 7andessummits+ geholt, ein kleiner Freudenlaut schafft es aus meinem sonst sprachlosem Mund! Yaaalllaaaahhhhh!!!!

Der Aufenthalt auf Boliviens höchster Erhebung ist kurz, wir sind spät, obwohl ich mit meiner Aufstiegszeit von 6,45 Stunden super liege!! Und das bei diesem Tempo, wow!
Die Freude hält zunächst nur kurz an, zu mühevoll gestaltet sich der Abstieg. Selbst dabei muss ich wider Erwarten öfter pausieren. Die Sonne brennt unerbittlich, ich fühle mich ausgedorrt und nach dem Durchsteigen der Felsrinne so, als hätte ich die Gesamtmenge des Bergstaubs inhaliert. Was ist mit “always Coca Cola”?? Von wegen!!! Boaahh, innen und außen aus Staub beschichtet befürchte ich, zu zerbröseln, bevor ich diese kleinen bunten Punkte weit unter mir im Fels erreichen werde! Was wird wohl Kriese dort gerade machen? Was wird er denken? Die letzten Höhenmeter dann endlich mittels meiner geliebten Geröllabfahrt, Absteigen kann doch so einfach sein! Dehydriert und entkräftet komme ich dem zu mir blickenden Kriese immer näher. Eine Gänsehaut durchbricht die aufgestaute Hitze unter dem Langarmshirt. Ein Glücksgefühl durchströmt meinen Körper, dem Weinen nahe, ich realisiere es, ich habe es geschafft! :))

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Das 1 Liter Trinkwasser, welches mir Kriese zur Gratulation überreicht, scheinen in meinem Magen nicht anzukommen, sondern von dem kiloweise Staub, das an den Innenwänden haftet, aufgesogen. The desert inside!! Kriese freut sich mit mir und während ich mich endlich ausruhen kann, fängt für ihn die Arbeit an – Zelt abbauen, Rucksäcke packen…. sich mein Gelabere anhören zu dem Monsteranstieg :) Knapp 2 Stunden später sind wir auch schon am Auto, die Strecke vom Hochlager geht im Sauseschritt, trotz Ermüdung, trotz Hitze, trotz Austrocknung… in der Ebene erwarten uns nicht nur süß daherblickende Kulleraugen der Lamas, sondern ein Entspannungsbad in der heißen Quelle. Welch eine tolle Belohnung und ein krönender Abschluss dieser Bergtour, die am Auto damit endete, dieses festgefahren aus einem Staubloch zu befreien :) Unser Zelt schlugen wir einen Schritt weit vom Pool auf, um uns herum ein sagenumwobenes Panorama. Am nächsten Morgen dann noch Kneippsche Wechselbäder in Boliviens Wüste. Im Loch der heißen Quelle holten wir uns beinahe einen Hitzekoller, aber da es ja so schön kalt des nachts wird, erfrischten wir uns danach an den zugefrorenen Flussläufen und waren dabei eins mit den Lamaherden…

Zufrieden, geschafft und unspektakulär erreichen wir am Nachmittag die Stadt des Friedens, in welcher wir die kommenden Tage dafür nutzen, uns zu entspannen und die nächste Tour auf den Illimani, dem zweithöchsten Berg dieses Landes, vorzubereiten.

Darüber dann etwas später in einem neuen Newsletter :)

Liebste Grüße von unterwegs von den glücklichen Gipfelstürmern

Claudy y Christian

PS: Einen großen Dank an Aly und ihrer Agentur Travel Tracks, die uns von Beginn an in unseren Belangen, außerhalb der Besteigungszeit den Sajama zu bezwingen, unterstützte und dafür Normalpreise verlangte. Andere Anbieter, die mit großen Sajama – Plakaten an ihren Eingängen frohlocken, schauten uns beim Nachfragen verdutzt an oder verscheuchten uns mit Wucherpreisen!

Über die Zeitbrücke zurück in die Zukunft

Bolivien Part I – La Paz und das höchste Skigebiet der Welt

Unsere Reise führt uns weiter Richtung Süden und wer im Geographieunterricht aufgepasst hat, weiß, dass sich südlich von Peru das wunderschöne und das sich viel Ursprünglichkeit bewahrte Bolivien anschließt. Hier gaben wir 2007 schon ein Gastspiel und freuten uns riesig, wieder in diesem Land unterwegs sein zu dürfen. Unser Weg führte uns von Puno/ Peru über den geschäftigen Grenzübergang in den turbulenten Regierungssitz von Bolivien La Paz – Geographie-Leistungskursbesucher können hier mit Ihrem Wissen punkten, falls sie die Hauptstadt von Bolivien kennen. Die 6-stündige Fahrt ging an dem Ufer des tiefblauen Tititacasees entlang, dabei die imposante bolivianische Bergkette der Cordillera Real mit ihren Gipfeln weit über 6000 Meter immer fest im Blick. Claudy manchmal aber auch nur vor ihrem inneren Auge :). Das Phänomen der Zeitbrücke ist für unser irdisches Wissen zuviel des Guten, nicht greifbar die Realität, nur durch eine Brücke getrennt in eine andere Zeit zu laufen… In Bolivien ist es eine Stunde später als in Peru! Was man auf dieser Brücke alles veranstalten kann… Rekordläufe…. Zurück in die Vergangenheit…. Komisches Gefühl :) Das Glück begleitete uns und unsere Taschen waren dieses Mal nicht geeignet für eine Entwendung und wir erreichten Bolivien ohne weitere Verluste.

Adios Peru – Hola Bolivia!

Wir fühlten uns sofort wieder heimisch in „unserem“ La Paz. Vieles ist immer noch so wie es vor drei Jahren war – der Verkehr ist weiterhin chaotisch, die Bevölkerung bunt zwischen Indigenen und westlich orientierten Menschen gemischt, die Bürgersteige sind schmal und werden zusätzlich von Verkaufsständen verkleinert und über allen herrscht eine Glocke aus Abgasen und Lärm.

Unser Ziel hier ist ja der Sajama – also der Berg der am höchsten in den Himmel ragt innerhalb der Grenzen von Bolivien. Unsere Vorrecherchen bzgl. Bedingungen am Berg waren nicht mit günstigen Meldungen gesegnet. Es gab nur eine Agentur, die das Unternehmen Sajama mit uns in Angriff nehmen wollte und dafür nicht Phantasiepreise aufrief. Mit dieser Agentur wagten wir  vor drei Jahren den Aufstieg zu unseren ersten 6.000er – oh sorry damals war ich lieber Richtung WC unterwegs, während die Claudy den Gipfel gestürmt hat.

Da man in so einem Land nur richtig entspannen kann, wenn die Hausaufgabe – Sajama – erfolgreich erledigt wurde, führt unser erster Weg nach dem Einchecken im Hotel direkt zur Agentur unserer Wahl namens Travel Tracks. Die Freude war groß, als wir unsere alten Weggefährten von vor drei Jahren wieder trafen – die Inhaberin Aly, unseren ersten Guide Silverio und unseren Fahrer Freddy. Aly und Silverio konnten sich sogar noch an uns erinnern und wir sprachen über unsere vergangenen Abenteuer – ja wenn man ein gewisses Alter erreicht hat, nimmt die Vergangenheit eine immer größere Rolle im Leben ein:). Nach einem regen Informationsaustausch wechselte das Geld den Besitzer und wir nahmen unseren Reiseschein für eine 4-tägige Tour zum Gipfel des Sajama entgegen. Ach noch was, wenn jemand die Absicht hat, auf einen 6.542 m hohen Berg zu steigen, sollte er sich vorher etwas in der Höhe aufhalten, damit ihn Kopfschmerzen, Übelkeit oder Hirnödem erspart bleiben. Also brauchen wir noch eine Nacht in ansprechender Höhe. Schnell ist eine 2 Tage-Wanderung auf dem Altiplano mit Aly und Silverio besprochen, welche die Akklimatisierung unterstützen wird. Das Wichtigste ist nun erledigt, aber der Tag hat noch etwas Zeit für uns parat. Das ist gut, denn unser Weg geht schnurstracks zu meinem Namensvetter den Schweizer Christian, da dort die besten Karten zu erstehen sind und viele Tipps für die Berge in Bolivien kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Das Wissen bzgl. Bergwelt, Land und Leute und die letzten Katastrophen scheinen bei Christian unendlich und nur sein Mitteilungsbedürfnis ist noch etwas größer. So gibt es Geschichten vom jüngsten Raub an der Mautstelle mit 2 Toten Polizisten, Tot bei einer Straßenblockade von Bauern, abgestürzten Bergsteigern, verprügelten Italienern im Basecamp vom Illimani, entführten Touris in El Alto, unseriösen Bergführern, die ihre  Klienten am Berg losbinden und nach Hause gehen und andere aufmunternde Geschichten. Nach 3 Stunden wurden wir dann entlassen und hatten zu guter Letzt noch eine Wanderkarte in unseren Händen :)

Unser freier Tag ging dann doch wieder zu Gunsten der Akklimatisierung flöten. Das geht hier in la Paz aber ganz prima. Es bedarf nur den Willen, etwas einkaufen zu wollen und schon ist man in den steilen Straßen bergauf und bergab unterwegs und das alles auf einer Höhe von ca. 3.800 m. Akklimatisierung soll hier wohl sogar während des Biertrinkens möglich sein, da passte es, dass wir für diesen Abend eine Verabredung mit einen Bekannten aus einem Bergsteigerforum hatten, der eigentlich auch mit uns zum Sajama wollte. Treffpunkt war klar, ein Irish Pub sollte es sein am Plaza Avaroa. Nicht schwer, Stadtplan her und losgelaufen, ist ja alles wie ein Schachbrett hier aufgebaut, 2 Straßen nach unten und dann 5 Straßenblöcke nach rechts und rechter Hand wird der Plaza auftauchen. Als wir da waren, war der Plaza nicht zu sehen. Nun durfte auch Claudy mal den Stadtplan bedienen und siehe da, der gute Kriese hat uns doch glatt in die entgegen gesetzte Richtung geführt. Also Taxi für 10 BS angehalten und auf zum Pub :)

Nach erfolgreicher Akklimatisierung in La Paz startete am nächsten Tag unsere Wanderung durch das Altiplano. Der Ausgangspunkt der Tour konnte für uns wintersportbegeisterten Thüringer nur das höchst gelegene Skigebiet der Welt sein. Mit Touri -Tagesausflüglern welche von allen möglichen Hostels in La Paz eingesammelt wurden, ging es in einem Stadtbus auf zum Chakaltaya. Wir mit Rucksack und Zelt, die anderen mit Sonnenhut und Cola. Der Bus quälte sich aus der Stadt heraus vorbei an Claudys Huayna Potosi auf Schotterpiste aufwärts bis auf 5.300 m!! Dort war dann auch Endstation für den Bus und Startpunkt zum „Aufstieg“ zum Gipfel auf 5.430 m. Neben den Busparkplatz gab es hier noch eine Schutzhütte, alte Lifte und windschiefe Versorgungshäuser. Also Rucksack geschultert, die anwesenden Hütten-Leute mit unseren großen spanisch Kenntnissen nach dem Weg zur Ziel-Lagune gefragt, schnell auf den Gipfel rauf, Foto für die Gipfelsammlung geschossen und zur Verblüffung der anwesenden Touris mittels Schotter-Abfahrt auf der anderen Seite des Berges abwärts zum sich abzeichnenden Weg gerutscht. Dann sollte es immer links um das Bergmassiv herum gehen und 3 Stunden später erscheint die Lagune, so wurde es uns prophezeit. Der Weg ist von oben gut zu sehen und auch weiter unten gut zu finden. Das dumme ist nur, dass der Weg nach ein paar hundert Metern aufhört. Macht aber nichts, dass Wetter ist gut und wir haben unsere Übernachtungslagune immer fest im Blick und natürlich vorsorglich auch mit dem Kompass die Marschrichtung bestimmt. Zu unserer Überraschung kommen wir jetzt an immer mehr verlassenen Minen vorbei, die in den Fels gehauen wurden. Was für eine Knochenarbeit hier mit Spitzhacke und Schaufel ein paar edle Erze zu tage zu fördern.

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Uns zieht es weiter bis es links um den Fels rum nicht mehr weiter geht, es sei denn, man heißt Reinhold. Also geht es für uns in einer steilen Schuttrinne hinab – bitte jetzt nicht ausrutschen sonst geht es mit ungewollter Geschwindigkeit bis ganz nach unten! Am Ende der Abfahrt wartet schon eine Lamaherde auf uns und der nette Hirte bestätigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind, puh! Zur Belohnung bieten wir ihm eine Waffel von unseren Vorräten an. Es kommen wieder die berühmten Kulturunterschiede zum Vorschein – anstatt einer Waffel aus der Packung nimmt er großzügig das ganze Packet, lacht und zieht mit seiner Lamaherde davon. So ne Waffel scheint in den Anden wohl gern als Zahlungsmittel genommen zu werden :) Für uns geht es weiter immer um den Berg herum. Vor uns liegt die Lagune, aber was ist das auf dem Weg und warum steht hier ein Kreuz mitten im Nichts? Nach eingehender Untersuchung einigen wir uns darauf, dass hier wohl vor einiger Zeit ein Flugzeug abgestürzt sein muss. Es liegen hier noch einige Frackteile herum – irgendwie ist das doch recht gruslig und bedrückend.  Was genau passiert ist, wissen wir nicht und Google haben wir noch nicht befragt. Unseren Gedanken überlassen trekken wir durch das karge Land. In der nahen Ferne dann ein paar neuere Häuser an einer Lagune. Je näher wir kommen, desto deutlicher wird es, es handelt sich um eine neu eingerichtete Eco – Lodge. An der Lagune sind Boote festgemacht, ein Steg führt etwas in eine Sumpflandschaft hinein und eine Pistenanbindung an La Paz ist auch vorhanden. Nicht zu vergessen sind die Bänke, auf denen wir erstmal eine kleine Mahlzeit einnehmen. Nach anregender Unterhaltung mit den „Bewachern“ der Anlage – ja, meine Spanisch Kenntnisse werden immer besser während Claudy demonstrativ schweigt – entscheiden wir uns im Selbstversorgungsraum zu nächtigen und nicht auf dem durch Steinmauern abgegrenzten Zeltplatz – gute Wahl! In der Nacht regnete es und das Zelt ist schön trocken im Rucksack. Nach dem die Rechnung in Höhe von 1,50 Euro pro Person bezahlt ist, machen wir uns am nächsten Tag auf zu unserem Endpunkt, der 2 Stunden entfernt bergauf liegen soll. Mit geschnürten Schuhen geht es weiter und wir können noch einen weiteren namenlosen Gipfel für unsere Sammlung verbuchen, bis wir nach einer kleinen Querfeldein-Einlage an der Straße nach La Paz herauskommen. Hier greift wieder das chaotische unkomplizierte System des südamerikanischen Personenverkehrs – an die Straße gestellt, Bus angehalten, bis irgendwo in La Paz gefahren für 0,50 Euro, wieder an die Straße gestellt und ein Sammel-Mini-Bus angehalten Richtung Zentrum für 0,15 Euro, an der richtigen Stelle aussteigen und noch ein paar Meter bis zum Hostal laufen und schon ist man der wohlverdienten Dusche ganz nahe. Vielleicht sollte die DB mal jemand hier vorbeischicken und das System für Deutschland prüfen.

Wie immer, wenn wir wieder nach La Paz einreiten, nimmt sich der gute alte Evo Zeit und empfängt uns mit den gebührenden Ehren. Für uns ist das immer etwas lästig, da wir mit verstaubten Schuhen und dreckigen Hosen über den roten Teppich stolzieren müssen und die Parade abnehmen dürfen – da wäre uns ein kühles Bier oft lieber.

Wohl akklimatisiert, mit frisch gepressten Orangensaft für 0,25 Euro vom Straßenrand getränkt und die Rucksäcke gepackt, sind wir ready to go for the Sajama. Vom Abenteuer an  diesem Berggiganten berichten wir im nächsten Newsletter! Nur schon eins zur Beruhigung aller Mitfiebernden, wir sind bereits heile zurück und sitzen bereits wieder auf gepackten Koffern für den zweithöchsten Berg hier – wir sind dann mal weg :)

Und ihr habt es bald geschafft, den tristen November zu bewältigen…. Wir drücken die Daumen für diese Herausforderung und wünschen Euch von Herzen ein schönes Wochenende!!

Liebste Grüße von unterwegs!

Christian y Claudy

Land- und Gipfelinformation Bolivien/ Sajama

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Das Land

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bolivien2Bolivien ist ein Binnenstaat in Südamerika und grenzt im Westen an Peru und Chile, im Süden an Argentinien und Paraguay, im Osten und Norden an Brasilien.

Die Hauptstadt der Präsidialrepublik ist Sucre, der Regierungssitz ist allerdings in La Paz. Gezahlt wird in dem Land mit dem Boliviano.

Bolivien wird von zwei großen und weit auseinander liegenden Ketten der Anden durchzogen, deren Höhe bis über 6500 m reicht (Sajama 6542 m, Illimani 6439 m). Dazwischen liegt das zentrale Hochland, das 3000 bis 4000 m hohe Altiplano. Dieses bis weit in das Nachbarland Peru reichende und im Süden den Nordwesten von Argentinien einschließende Gebiet ist das eigentliche Kernland, in dem rund 80 Prozent aller Bolivianer leben, obwohl es nur etwa ein Drittel der Fläche Boliviens ausmacht. Zwischen dem Ostabhang der Anden und dem Ostbolivianischen Bergland erstrecken sich die Yungas in einer Höhe zwischen 1200 und 1800 m ü. NN.

Der flächenmäßig größte Teil Boliviens sind die Llanos, die sich vom ostbolivianischen Bergland bis an die Grenzen nach Brasilien und Paraguay erstrecken. Dieses nur äußerst dünn besiedelte tropisch-heiße Tiefland untergliedert sich in die trockenen Savannen des Gran Chaco und die tropischen Regenwaldgebiete Amazoniens.

Inmitten des Altiplano liegt der Titicaca-See, der höchstgelegene, kommerziell schiffbare See der Erde. Durch dessen Mitte verläuft die Grenze zum Nachbarland Peru.

Der Salar de Uyuni ist auch eine große Sehenswürdigkeit Boliviens. Mit einer Fläche von 12.000 km² ist er weltweit der größte Salzsee.

Etwa 72 % der Bevölkerung gehört den Indigenen Völkern (span. Indígenas) an, meist Quechua (30,7 %) und Aymara (25,2 %); 27,5 % der Bevölkerung sind Mestizen.

Spanisch ist in ganz Bolivien Amtssprache. Daneben gilt in jeder Region gemäß Verfassung noch mindestens eine weitere lokale indigene Sprache als Amtssprache. Zu den wichtigsten der insgesamt 36 Sprachen gehören Aymara, Quechua und Tupi-Guarani. Spanisch wird von über 80 % der Bevölkerung gesprochen, vor allem in den Städten des Landes. Die Landbevölkerung spricht meist eine der zahlreichen indigenen Sprachen. Viele wachsen aber auch zweisprachig auf. In den Schulen und Universitäten des Landes wird meist nur auf Spanisch unterrichtet, allerdings wird seit 1995 erfolgreich bilingualer Unterricht unterstützt.

In den letzten Jahren hat sich in Bolivien eine innenpolitische Spaltung zwischen dem Westen und dem Osten des Landes entwickelt. Die ehemals wohlhabenden und bevölkerungsreichen westlichen Regionen im Hochland (Departamentos Chuquisaca, Cochabamba, Oruro, La Paz und Potosí), in denen sich auch die Hauptstadt Sucre und der Regierungssitz La Paz befinden, sind nach dem Niedergang des Bergbaus verarmt und verlieren seit Jahren durch Binnenmigration Bevölkerung an die östlichen, ganz oder teilweise im Tiefland gelegenen Departamentos (Beni, Pando, Santa Cruz und Tarija). Dort haben sich in den letzten Jahren durch die Erschließung der Öl- und Gasreserven sowie durch eine moderne, teilweise industrialisierte Land- und Forstwirtschaft profitable, wachsende Industrien und ein wohlhabendes Bürgertum entwickelt. Die vier Tiefland-Departamentos Beni, Pando, Santa Cruz und Tarija werden in der politischen Diskussion oft zusammenfassend als Media Luna  (spanisch: „Halbmond“) bezeichnet, da ihre Form auf einer Landkarte von Bolivien an eine Mondsichel kurz vor Halbmond erinnert. Die Departamentos des Media Luna, insbesondere Santa Cruz, fordern die Beibehaltung und den Ausbau des in den 1980er-Jahren eingeführten neoliberalen Wirtschaftssystems und des Großgrundbesitzes. Die unternehmerische Oberschicht und die politische Elite des Media Luna fühlt sich durch die Zentralregierung im fernen La Paz bevormundet, auch in der Bevölkerung herrscht die Ansicht, dass die Region ihres Wohlstandes beraubt und in ihrer wirtschaftlichen Dynamik gebremst wird, da ein Großteil der im Tiefland erwirtschafteten Steuermittel von der Zentralregierung für Projekte im Hochland ausgegeben wird. Seit einigen Jahren wächst daher im Media Luna die Forderung nach regionaler Autonomie. Im Hochland sieht man diese Entwicklung äußerst skeptisch, da die Zentralregierung auf die Steuereinnahmen aus den Tieflandprovinzen angewiesen ist. Man verweist darauf, dass die Boden- und Naturschätze im Tiefland das Eigentum aller Bolivianer sind und dem Wohl des gesamten Landes dienen sollen (so wie bis vor wenigen Jahren das damals arme Tiefland mit den Einnahmen des damals profitablen Bergbaus im Hochland subventioniert wurde). Hieraus folgt eine erhebliche Skepsis gegenüber dem Wirtschaftsliberalismus und den Autonomiebestrebungen im Media Luna, da man befürchtet, der allen zustehende Reichtum des Landes werde zu Lasten der Allgemeinheit einseitig von privaten Investoren und einzelnen Interessengruppen ausgebeutet, statt allen Bürgern zu nutzen. Hieraus folgt eine Ablehnung regionaler Autonomie und die Forderung nach Beibehaltung eines Zentralstaats mit Regierungssitz im Hochland sowie die Forderung nach Verstaatlichung der Bodenschätze und einer Landreform zugunsten armer Bevölkerungsteile. Die daraus entstehende politische Spaltung (zentralistische und staatswirtschaftliche Strömungen im Hochland gegen föderalistische und wirtschaftsliberale Bestrebungen im Media Luna) vermischt sich in den letzten Jahren mit rassistischen Untertönen, da die Bewohner des Hochlands mehrheitlich indigener Abstammung und von dunklerer Hautfarbe sind als die Mehrheit der Einwohner des Media Luna, wo sich mehr europäischstämmige Bevölkerungsanteile befinden.

Mehr Informationen bekommt ihr über Wikipedia, woraus auch der Inhalt dieser Seite entstanden ist.

Zu unseren Reiseberichten aus Bolivien von 2007 geht es hier lang.

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Der Berg

VOLCANO SAJAMA  6.542m

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Der Sajama ist der höchste Berg Boliviens und einer der höchsten Vulkane der Welt. Er befindet sich in der Mitte des Sajama-Nationalparks an der Südwest-Grenze Boliviens mit Chile. Er steht auf der Hochebene des Altiplano auf einer Basis von etwa 4.200 m, wodurch er wesentlich niedriger erscheint, als er tatsächlich ist. Der symmetrische Vulkan ist seit mindestens 25.000 Jahren erloschen.

Die Gipfelbesteigung ist eine mittelschwere Hochtour und kann gut akklimatisiert in zwei bis drei Tagen vollzogen werden. In dem an seinem Fuß auf ca. 4.200 m gelegenen Dorf Sajama können Träger genommen werden. Dann ist es eher möglich, das Hochlager in ca. 5450 m an einem Tag zu erreichen.

Eine Besonderheit sind die Queñua-Krüppelbäume (Polylepis tarapacana), an denen man beim Aufstieg vorbeikommt und die bis in rund 5.000 m Höhe wachsen. Die Einwohner des Sajama-Nationalparks sind stolz auf diese am höchsten wachsende Baumart der Welt. Meist wird der Baum als weltweit einziger über 5.000 m Meereshöhe wachsender Baum bezeichnet. Die Triebe werden in heißem Wasser zu einem Tee gekocht, der stärker als der übliche Coca-Tee gegen die Höhenkrankheit helfen soll.

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