Archiv des Autors: Kriese

Mathematik auf höchstem Niveau

Alpentours Part V – Wilde Leck Ostgrat/ 3.359m/ Stubaier Alpen

Nach unserer Tour durch das Berner Oberland mit leichtem regnerischen Einschlag wollten wir Mitte September mit Markus noch einen schönen Ausklang für das Bergjahr 2011 finden. Diesmal sollte etwas mehr Luft und Fels unter die Sohlen, weniger Schnee und Eis. Außerdem dachten wir an eine schöne Verwöhnkur von der Sonnengöttin, die hatte sich nämlich als Begleiterin angekündigt. Nach der Begutachtung unserer Fähigkeiten und den täglichen Abgleich der Wetterdatenbanken haben wir uns den Ostgrat der Wilden Leck (3.359 m) im schönen Stubai als lohnendes Ziel auserkoren.

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TAG 1

Würzburg – Gries im Sulztal (1.569m) – Ambergerhütte (2.135m)

Also rein in die Karre, Motor an, in Würzburg auf die Schnelle ein Bier beim „Schönen René “ getrunken und Markus auf den Sitz verfrachtet, um dann am nächsten Tag in Gries im Sulztal das Auto pflichtbewusst auf den zugewiesenen Parkplatz abzustellen. Die Sonne lacht. Mit ein paar Kilo auf dem Rücken geht es den kurvenreichen Zufahrtsweg hinauf zur Ambergerhütte. Dank der geringen Belegung haben wir das 11 Mann-Lager für uns allein – da stimmt das Preis-Leistungs-Verhältnis :).

Laut Wetterbericht ließ der Freitag auf ein paar vernünftige Stunden hoffen und der Samstag sollte Traumwetter für uns bereithalten. Also alles klar, am Samstag geht es auf die Wilde Leck und was machen wir am Freitag? Dank Gebietsführer, Karte und Tipps vom Hüttenwirt entscheiden wir uns für die Mutterberger Seespitze und ihrem Nordostgrat. Mit einem Plan im Kopf schläft es sich dann besonders gut. Es könnte aber auch an dem verwaisten Lager gelegen haben oder an der Tatsache, dass die Tour nicht mehr als 4 Stunden im Aufstieg in Anspruch nehmen soll!

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TAG 2

Ambergerhütte (2.135m) – Mutterberger Seespitze/ Nordostgrat  (3.305m) – Ambergerhütte (2.135m)

Recht gemütlich geht es in der Früh zur Seespitze. Das Wetter ist ganz gut, die Beine gehen im Gleichschritt voran und so wundern wir uns nicht, als wir nach eingeplanter Zeit nach dem Überspringen von Wasserrinnsälen und dem Durchstieg einer Schuttrinne am Fuße des Bockkogelferner stehen. Und  schon sind wir mit unseren Steigeisen auf dem 35° steilen aperen Gletscher unterwegs bis wir, wie in dem Führer beschrieben, an der Einstiegsstelle für den Nordostgrat stehen. Das bedeutet Steigeisen ab und Klettergurt angelegt und ran an den griffigen Fels. Etwas weiter oben ist die Wegführung nicht ganz so klar – der Grat ist erkennbar, aber durch eine große Abbruchkante unterbrochen. Also das Ding umgehen – logisch! Markus, unser Vorturner probiert es links herum und kehrt um. Keine Möglichkeit für uns unbeschadet davon zukommen. Also rechts herum – aber dort sieht es noch schlechter aus! Es sollte doch maximal eine 3 zum Klettern sein, hier sind aber nur 5er und schwerer zu finden. Verdammt! Alpengebietsführer raus und schauen, wo wir uns verstiegen haben. Da unsere Route von oben bestens einsehbar ist, wird uns schnell klar – wir sind genau da, wo uns die Tourenbeschreibung haben will. Bloß weiter geht es nicht. Das Gipfelkreuz können wir sehen, aber von dieser Stelle ist es für uns unerreichbar. Was bleibt? Natürlich in großer Manier drehen wir etwa 200 Höhenmeter unterhalb des Gipfels um und treten den Rückweg an. Das ist doch die wahre Größe eines Bergsteigers!

Die Mutterberger Seespitze wollte uns aber noch nicht ganz gehen lassen und hat aus dem kleinen Fluss von heute Morgen einen ordentlichen Gletscherabfluss wachsen lassen. Irgendwo müssen wir da irgendwie hinüber. Und das gleich mehrfach, da die Wassermassen wie eine Krake mit 1000 Armen den Fels umschlingen, um in das Tal hinab zu stürzen. Während Markus flussabwärts eine ruhige Stelle sucht, gelingt es Claudy und mir bereits weiter oben durch einen tollkühnen Sprung diese Hürde zu meistern. Markus derweil sucht und sucht und sucht… und findet schließlich weit unten im Tal :)  Wir treffen uns dann erst wieder kurz vor dem Bierausschank.

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Als wir gegen 17 Uhr die Hütte erreichen, müssen wir feststellen, dass hier noch einige Naturliebhaber versuchen, einen schönen Abschluss für das Bergjahr hin zu bekommen. Die Hütte ist voll bis unter das Dach und aus unserem gemütlichen Lager ist ein kleines Tollhaus geworden. Am Abend prüfen wir bei Bier und lecker Essen nochmals eingehend, wie denn unser heutiger Verhauer passieren konnte. Wir sind uns keiner Schuld bewusst, alles wie beschrieben! Für die Gegenprobe borge ich mir mal eben den Gebietsführer von unseren Nachbarn, der durch seinen Glanz auf die neueste Generation hinweist. Und was findet man da unter der Route 2261? – NICHTS! Kein Eintrag vorhanden! Die Route ist nicht mehr existent! Da sind wir platt! Ein Blick in das Impressum ist dann schnell des Rätsels Lösung: unser Führer aus dem Jahr 1982 vs. 2006! Auch in diesem – geologisch gesehen – sehr kurzen  Zeitraum scheint sich hier etwas zu verändern. Das erklärt wohl auch die gesichtete Abbruchkante am Grat. Gut zu wissen, dass unser Topo für die Wilde Leck aus dem Netz und somit kaum älter als 2 Monate ist :).

Mit reinem Gewissen gehen wir frühzeitig schlafen, um für morgen fit zu sein. Wir sind die Ersten im 11-Mann-Lager und gegen 21 Uhr treffen noch weitere Mitschläfer ein. Wir sind nun zu 8. Wir versuchen weiter zu schlafen mit der Gewissheit, dass die restlichen 3 Kameraden spätestens um 22 Uhr erscheinen werden. Und so ist es dann auch. Pünktlich 22 Uhr tanzt das Stirnlampenlicht durch das Lager und die freien Schlafplätze werden gesucht. Es sind aber mehr als 3 – es ist eine ganze Gruppe mit Sack und Pack! Der Chef stellt für alle laut hörbar fest: „ Insgesamt passen 11 Leute ins Lager! Dahinten liegen 3 und hier vorn 5. Wir sind 6 Leute. Da bleiben noch 3 freie Plätze. Wir sind 6. Da fehlen noch 3!“ Prima! Scheint ein Mathe-Lehrer zu sein – Lautstärke und Ergebnis stimmen schon mal. Und weiter geht es: „Hier liegen 3 Leute falsch im Lager! Hallo! Hallo! Wir haben diese Schlafplätze zugewiesen bekommen! Aber ich rechne lieber nochmal nach: Insgesamt passen 11 Leute ins Lager! Dahinten liegen 3 und hier vorn 5. Wir sind 6 Leute. Da bleiben noch 3 freie Plätze. Wir sind 6. Da fehlen immer noch 3!“ Nachdem alle im Lager versichert haben, dass sie hier richtig liegen und auch sein Rechenergebnis bestätigt wurde, verschwindet die Gruppe. Die Ruhe hält aber nur kurz an, denn die Gruppe kehrt mit dem Hüttenwirt zurück. Licht an und nachzählen: „Insgesamt passen 11 Leute ins Lager! Dahinten liegen 3 und hier vorn 5. Wir sind 6 Leute. Da bleiben noch 3 freie Plätze. Wir sind 6. Da fehlen immer noch 3!“ Das hatten wir doch schon und ich hätte gern das Ergebnis vorab heraus gebrüllt und das Licht aus geschossen!!! Waaahhh!!! Mit Hilfe des Hüttenwirts wird nach einiger Diskussion festgestellt, dass die Gruppe zwar richtig rechnen kann, es aber mit dem Lesen nicht so genau nimmt. Sie haben das falsche Lager ausgesucht für Ihre Mathematik-Olympiade! Die fehlenden 3 Schläfer erscheinen dann mit Getöse etwa 15 Minuten später im Lager. Gut, dass wir eine frühe Zubettgehzeit gewählt haben.

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TAG 3

Ambergerhütte (2.135m) -Wilde Leck/ Ostgrat  (3.359m) – Ambergerhütte (2.135m)

Am nächsten Tag geht es nach gutem Frühstück erst 7:30 Uhr auf unsere erste Grat – Tour, auf die Wilde Leck. Mechanisch und bei bestem Bergwetter geht es über Wanderweg bis zum Gletscher und von dort mit den Eisen am Fuß gebunden hinauf zur Einstiegsstelle der bevorstehenden Kraxelei. Der Grat ist deutlich sichtbar und für den Weg dort hinauf gibt es mehrere Möglichkeiten. Vorbei an einem Steinmann steigen wir in die Wand ein. Markus übernimmt wieder die Vorturnerei und fühlt sich zunehmend unwohl im brüchigen Fels. Ach wären wir doch nur schon oben auf dem bombenfesten Granitgrat. Sind wir aber nicht, sondern noch im Bröselgestein unterwegs. Etwas länger als geplant dauert es dann schon, bis wir unser Gesäß auf den Grat platzieren dürfen – PAUSE! Von hier geht es nun weiter mit Seil und Zwischensicherung. Der Weg ist klar, das Gipfelkreuz sichtbar, die Sonne scheint, keine Wolke ist zu sehen und hinter uns kommt auch niemand mehr. Der Grat wird zur Genusskletterei mit viel Luft unter den Füßen und atemberaubenden Ausblicken. Mit guten Willen und etwas Armkraft schaffen wir auch die etwas kniffligeren Stellen und können uns unversehrt am Gipfelkreuz die Hände schütteln. Nun haben Claudy und ich auch eine Vorstellung, was es bedeutet, eine 4 im Freien zu klettern.

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Irgendwie ist uns die Zeit etwas davon geeilt und wir sehen zu, dass wir durch die Südwand nach unten kommen. Hier dürfen wir noch eine 2 absteigen, welche mit einigem Geröll gespickt ist. Klappt aber auch ohne Verluste. Wir zünden nun den Turbo, denn die Dunkelheit lässt langsam grüßen, während die untergehende Sonne die Bergwelt vor uns in einen roten Mantel zaubert. Die Hütte winkt schon von Weitem mit einladendem Licht und die Schritte werden immer schneller, aber die Hütte kommt irgendwie nicht näher. Verdammt! Aber auch das schaffen wir noch. Das Bierchen steht gekühlt bereit und auch zu Essen wird uns noch kredenzt. Die Hüttenwirtin war schon etwas aufgeregt, da wir erst bei Dunkelheit eintrafen. Sie hatte uns bereits in der ganzen Hütte gesucht…

Nach so einer Tour schmeckt irgendwie alles gut, insbesondere ein kühles Blondes… Liegt das dann daran, dass man stolz auf seine persönliche Leistung oder dass man ausgepowert ist oder einfach nur an der 12 -Stunden-Nonstop- Frischluft-Kur. Eigentlich egal – Prost!

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TAG 4

Ambergerhütte (2.135m) – Gries im Sulztal (1.569m) – Würzburg

Der Rest ist schnell erzählt. Geschlafen haben wir ohne Mathematik Lehrer und zwar ausgezeichnet. Ausgeruht und froh über eine späte Frühstückszeit ging es hinunter nach Gries, rein ins Auto, zurück nach Würzburg mit einem obligatorischen Stopp für ein Eis bei Mc Doof und schließlich pünktlich zum Tatort wieder zu Hause.

Über den Tatort weiß ich nichts mehr, aber an die Tour werde ich mich noch lange Jahre zurück erinnern. Und das ist auch gut so! Immerhin muss ich mich ja mit irgendetwas über die mir aufgezwungene Bergpause retten, die ein so blöder Archillessehnenriss mit sich bringt. Zumindest kann ich mit dem riesigen Gehschuh an meinem Fuß fleißig üben, die Beine schön weit anzuheben, in der Hoffnung, mit diesem Training ab Ende August die Alpenregion wieder unsicher zu machen…

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Mit den besten Grüßen aus dem Lazarett und von der Flachlandtirolerin Claudy, die bereits fleißig den höchsten Gipfel der Niederlanden ein geheimst hat und momentan die höchste Erhebung an der deutschen Ostseeküste sucht :)

Kriese

Der gesalzene Blick

Chile Part I – Abenteuer am höchsten Vulkan der Erde – Ojos del Salado, 6.893m

Alles fing damit an, dass ich eigentlich keine hohen Berge mehr angehen wollte. Nach meinen Erfahrungen am Aconcagua, an welchem ich ja zum zweiten Mal den Rückweg antreten durfte ohne seinen Gipfel gesehen zu haben – geschweige denn darauf stolziert wäre, hatte ich doch starke Zweifel, ob ich je auf einen hohen 6000er das Gipfelglück geniessen darf. Aber dank der Claudy, die fest überzeugt das Ziel unserer nächsten Busfahrt herausposaunt hat, durfte ich noch mal alle Kraft sammeln und auf den höchsten Berg von Chile namens Ojos del Salado marschieren. So wie ich bereits von Claudy´s Psychologiekünsten lernen durfte, gibt es nämlich kein ´eigentlich` im deutschen Sprachgebrauch! Da stand ich nun an dem Punkt, an welchem es an einem Berg nicht mehr höher hinausgeht und hatte es geschafft  – 6.893 Meter über Normal-Null. Ein Rekord für mich und dieses Mal zusammen mit der Claudy.

Alles begann mit einer Busfahrt ins Neue Jahr nach Copiapó im nördlichen Chile. Genau dort, wo die chilenischen Kumpels mehrere Wochen im Bergwerk unter Tage verbringen mußten und Anfang Januar die Dakar für 3 Tage Staub aufgewirbelt hat. Schlägt man unseren Reiseführer auf, ist dort zu Copiapó zu lesen “Das gastfreundliche Copiapó kann Travellern auf die Dauer zwar nur wenig bieten, ist aber eine gute Ausgangsbasis zur Erkundung der einsamen Berge an der Grenze zu Argentinien …”. Die Gastfreundschaft ist wohl eher anderen Reisenden zugeteilt worden, für uns war nur noch das teure Zimmer für 55 Euro zu haben, während alle anderen Zimmervermieter mit einem bestimmten “No” uns wieder vor die Tür setzten. War ein bissel wie Weihnacht bei der Herbergssuche, nur das wir halt noch ein paar Euro für das teure Zimmer in der Tasche hatten und nicht im Stall gelandet sind.

Nach dem netten Empfang starteten wir dann auch gleich die Planung, um zum Berg zu gelangen – aber nicht in Copiapó und nicht zum 01.01.2011. Alles zu, keiner da, Informationen nicht verfügbar. Am Ende haben wir dann doch noch einen freundlichen Herren aufgetrieben, der uns schon am nächsten Tag zum Berg fahren würde. Hierzu benötigt man ein Jeep mit Allrad und genug Benzin. Die notwendigen Genehmigungen für die Polizei und für die Besteigung wollte er gleich mit besorgen und nachträglich zu den Zuständigen faxen, während wir schon am Berg rumkraxeln. So viel Freundlichkeit hat immer einen Haken, dieses Mal war es der Preis. Schlappe 800 USD sollten dafür den Besitzer wechseln. Im Gegenzug würden wir zwei Fahrten von je 5 Stunden über staubige Pisten erstehen. Klingt nach einem komischen Geschäft, aber wir haben ja gesagt und am nächsten Tag sollte es um 8:30 Uhr losgehen. Ein Problem konnten wir aber nicht lösen, wir hatten keine Wanderkarte für den Ojos. Verrückterweise hat der Deutsche Alpenverein (DAV) extra für dieses Gebiet eine Karte erstellt. Diese gibt es ohne Probleme in Deutschland zu kaufen, aber leider nicht in Copiapó, wo doch der Berg vor der Türe steht. Unsere Hoffnungen lagen hier bei den Rangern am Berg.

Nach einer kurzen Nacht mit intensiver Packerei und Tourplanung ging es dann am nächsten Tag los. Vielleicht sollte ich nicht unerwähnt lassen, dass am Berg keine Wasserquelle vorhanden ist und wir somit für die max. geplanten 12 Tage den gesamten Wasservorrat mit transportieren müssen. Insgesamt haben wir dann 104 Liter Wasser durch die Wüste kutschen lassen. Nach dem sonntäglichem Einkauf im Supercenter mit unserem Superfahrer ging es vorbei an Industrieanlagen in Richtung chilenisch – argentinische Grenze, dort wo sich der Ojos in der Puna de Atacama Wüste versteckt hält. Was gibt es da nicht alles zu sehen – surreal anmutende Stahlstrommasten wie an einer Perlenschnur aufgereiht in einer malerischen Bergkulisse, alte und neue Minen die Gold, Silber oder Kupfer von den Bergen abtrotzen, Unmengen von Sand und Kies und sage und schreibe 9 Autos die uns in 5 Stunden entgegengekommen sind. Das Naturkino war sehr beeindruckend, abwechslungsreich und auf eine gewisse Art und Weise auch sehr bunt. Durch den Mineralreichtum der Erde hier schimmern die vielen Vulkanberge in den verschiedensten Farben. Und am Horizont wurden wir wieder Zeuge einer Fata Morgana als sich in der Sonnenglut die Bergkette widerspiegelte! Ein faszinierendes Naturschauspiel! Zu unserer Überraschung kamen wir ohne Zwischenfälle an unserem Tagesziel der Laguna Verde an. Die Lagune liegt umgeben von 6000 Meter hohen Bergen inmitten der kargen Trockenheit. So viel Wasser an einem Fleck in diesem Wüstennichts haben wir nicht vermutet. Da hat sich der Herrgott doch etwas ganz Besonderes einfallen lassen und an die richtige Stelle einen mächtigen Farbklecks mit Wow-Laut-Garantie hinterlassen. Das hier mit Weitsicht gehandelt wurde, können wir auch daran erkennen, dass gleichzeitig noch heiße Quellen neben dem Zeltplatz sprudeln und zu einem Bad einladen. Da sagen wir nicht nein :)

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Hier an der Laguna Verde auf 4400 Meter können wir ersteinmal unserer Lieblingsbeschäftigung der letzten 4 Monate nachgehen – der Akklimatisierung. Also werden wir am Ufer des Sees zwei Nächte an der Strandbar abhängen, bevor es weiter zum Basislager des Ojos geht. Wir haben es schon weitaus schlechter mit solchen Akklimatisierungsplätzen getroffen. Die Sonne lacht, ein Bad ist vor dem Zelteingang, die Szenerie ist großartig und wir sind allein. Nur der Aufpasser ist in seiner Hütte anwesend. Hier machen wir auch gleich unseren ersten Versuch, eine Karte für unsere Besteigung zu organisieren. Und tatsächlich, es gibt eine aktuelle DAV-Karte. Nur ist diese mit Schrauben an die Wand des Refugios geschraubt und somit für uns nicht transportabel. Was uns bleibt, ist ein intensives Studium der Karte und die Aussage des Aufpassers, dass der Weg ganz einfach zu finden sei und man sich nicht verlaufen könne. Die Aussage muss natürlich überprüft werden und so haben wir uns einen kleinen Berg in der Nachbarschaft der Laguna ausgesucht, um dem nachzugehen. Unverfehlbar schlängelte sich der Weg bis auf 5000 Meter bergan, weiter hinauf wollte uns der sturmartige Wind nicht lassen. Das war er also, dieser gefürchtete Sturm, der schon manch Gipfelaspiranten vom Ojos wieder ins Basislager geweht hat.

Leider war es dann mit dem Relaxen an der Lagune vorbei. Irgendwie will so ein Berg ja auch erobert werden und dazu bedarf es einer Fortbewegung in die Höhe. Also auf zum Basislager auf 5.280 Meter, wesentlich kleiner als die Zeltstadt am Aconcagua, lediglich zwei große Essenszelte und eine Hütte des Rangers befinden sich hier. Das Luxushöhenbergsteigen geht weiter -  nicht einen Zeh müssen wir rühren, um an diesen Ort zu gelangen! Mario – der Bergführer – fährt uns die 35 km von der Lagune bis ins Basecamp. Das dauert immerhin 1,5 Stunden, das sagt wohl viel über die Piste. Leider sind wir auch schon wieder um 120 USD ärmer. Am Fusse des Bergkolosses Ojos del Salado gelegen, wird das Camp von einigen anderen hohen Bergen umrahmt und besticht duch seine feine Sandkörnung. Hervorragend geeignet als Schlafuntergrund aber auch als Mitbringsel, da er durch die kleinste Ritze rieselt und immer noch überall zu finden ist. Angekommen im Basislager schlagen wir dem Wind ein Schnippchen und bauen unser Zelt ins Innere eines großen Zeltes – optimaler Windschutz und maximaler Comfort. Unser Sollzeitplan und unser Istzeitplan sind sich mal wieder überhaupt nicht einig, bereits in drei Tagen könnten wir auf dem Gipfel stehen, das sagt die Wettervorhersage! :)  Na das ist mal wieder rasant und ich koche uns erstmal ein Süppchen. Zu tun gibt es wenig, so frönen wir einem Gedankenaustausch zwischen Bergsteigern mit den makabersten Horrorgeschichten.

Der Luxus am Ojos geht in seine Verlängerung, die Gipfeletappe wird von einer Schutzhütte aus angegangen. Leider liegt die auf 5.837 Meter und diese müssen wir dieses Mal erlaufen und schlafen in dieser Höhe ist auch nicht so angenehm. Also heißt es für uns Materialtransport zum Refugio Tejos. Alles, was wir für eine Nacht und einen Gipfelsturm benötigen, tragen wir an einem Tag hinauf. Dieses Mal musste die Claudy mit Erschrecken feststellen, dass sie über Nacht gealtert ist. Wird sie mit 34 eine derartige physische Herausforderung bewältigen? Ich lasse sie ihr Wasser selbst tragen, für die jugendliche Schönheit der Haut ist das nasse Element von immenser Bedeutung! Nach langen und kurvenreichen 3 Stunden auf einer Fahrpiste – richtig, Fahrpiste -  im Notfall können wir mit einem Jeep von der Tejos Hütte gerettet werden – erreichen wir die in einem strahlenden Orange gefärbte Behausung. Innen erwartet uns ein Schlafgemach mit 5 Betten und ein Kochraum mit Sitzecke. Sehr angenehm und sauber. Die besten Betten werden von uns in Beschlag genommen, unser Zeug darauf deponiert und alsbald geht es auch wieder auf schnellstem Wege nach unten. Das dauert dann auch nur 45 Minuten. So nun erstmal ne Suppe kochen und ein paar Kräfte sammeln. Und wieder einmal trinken, trinken, trinken. Nicht so schlimm dieses Mal mit einem wunderbaren deutschen Produkt aus dem chilenischen Supermarkt – Krümeltee von Krüger :)

Was uns noch fehlt, bevor wir zum Gipfel aufbrechen können, ist eine Karte. Die hängt zu unserer Freude in der Hütte von Mario im Basislager. Leider ist diese auch mit der Hüttenwand auf ewig verbunden und somit zu schwer für den Transport zum höchsten Punkt von Chile. Aber wer braucht schon eine topographische Karte für einen 6.893 Meter hohen Berg, wenn man einen Ranger mit umfassendem Wissen dafür zur Verfügung hat. Mario fertigte uns eine kleine Skizze des Weges an und erklärte uns dabei die wichtigsten Punkte. Somit sind wir nun perfekt für den Gipfelsturm – welch ein Wortspiel in dieser windigen Gegend – vorbereitet. Falls wir doch nicht mehr weiter wissen, zählt ab jetzt ein WalkieTalkie zu unserem Gipfelgepäck :)

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Mit dem Wissen von Mario, dass es nur 25% der Gipfelaspiranten auch bis auf den höchsten Punkt schaffen, brechen wir am nächsten Tag erneut zur Schutzhütte auf. Wir fühlen uns gut, rennen heute geradezu nach oben… Gute Zeichen vor der letzten Etappe sind immer willkommen und so machen wir uns mit Freude daran, Wasser zu kochen und mal wieder eine unserer heißgeliebten Suppen zu verspeisen. Mit uns sind noch 3 Italiener in der Hütte, auch sie wollen am nächsten Tag den Gipfel in Angriff nehmen. Bei Sonnenuntergang legen wir uns schlafen, das fehlende Sonnenlicht in der Hütte hält uns zu nichts anderem an… Die Nacht wird wie erwartet unruhig, mal wieder liegen wir auf der Lauer auf das Läuten der Uhr, auf Zeichen unseres Körpers, wie er die Höhe verkraften wird. Es ist alles gut und wir finden für kurz einen festeren Schlaf. Der Wecker klingelt uns um 3 Uhr aus den Betten, um uns daran zu erinnern, was uns an diesem Tag noch bevorsteht. Also raus aus den Daunenfedern, in der Hütte sind es immerhin -5 °C, und den Kocher in Gang gesetzt. Pünktlich um 4 Uhr sind wir abmarschbereit. In dicker Daunenjacke, 3 Paar Hosen und Fausthandschuhen suchen wir uns den Weg aufwärts. Die Kraft Millionen funkelnder Sterne reichte nicht aus, uns den Weg zu leuchten, aber es war gigantisch, unter einer derart kräftigen und wild flackernden Sternenkulisse existieren zu dürfen! Unser Thermometer am Rucksack zeigt -15°C an. Die Italiener starten erst um 6 Uhr, um nicht zu lange in der Eiseskälte unterwegs sein zu müssen. Wir jedoch haben Respekt vor dem um die Mittagszeit einsetzenden Wind, der einem das Gipfelglück vermasseln kann und bauen ein wenig Reservezeit ein. Wenn alles gut geht, kommen wir nach 8 Stunden am letzten Gipfel unserer Tour an. Den Weg finden wir anhand der Skizze auch in der Stockfinsternis ohne Probleme. Es ist eine ausgetretene Spur vorwiegend aus Sand und kleinen Steinen. Als sich dann endlich gegen 7:30 mit der Mörgendämmerung die wärmenden Sonnenstrahlen ankündigten, freuen wir uns ob der zunehmenden Nähe zum Vulkankrater. Etwas Sorge bereiteten mir meine Füße. Claudy schien o.k. zu sein. Zwar stecken meine Zehen in Doppelschuhen und zwei Paar Strümpfe sollen zusätzlich vor Gefrierbrand schützen, dennoch sind sie irgendwie kalt und gefühllos. Es wird immer schlimmer, Horrorvisionen schießen durch mein sauerstoffmangelndes Gehirn! Wir legen auf ca. 6.400m eine Pause ein, um nach meinen Zehen zu schauen. Plastikschuh aus, Innenschuh aus, Strümpfe aus, auf den Zehen rum gehauen – nichts! Kein Gefühl mehr! Verdammt! Panisch rede ich mir ein, mir meine Zehen abgefroren zu haben. Ich muss sofort absteigen, um meine Zehen zu retten! Dabei fühle ich mich so gut heute, dass ich den Gipfel schaffen kann. Selbst das Übergeben weiter unten machte mir nichts aus, das schien wohl normal zu sein. Alles Kneten, Wärmezuführen mit Taschenwärmer oder Bewegen hilft nicht. Die Zehen haben kein Gefühl mehr. Schweren Herzens zücke ich das WalkieTalkie und erkläre Mario, dass ich absteigen muss und Claudy den Gipfel versuchen wird. Wir probieren noch eine Weile dem Fuß wieder Leben einzuhauchen. Claudy steckt ihn unter ihre Daunenjacke und massiert die Zehen. Nach einer Stunde Intensivbehandlung kommt so etwas wie ein Gefühl zurück, es kribbelt leicht und ich beschließe, noch ein Stück weiter zu gehen. Das lange Herumstehen hat nun Claudys Füssen nicht gut getan, so dass sie für kurz auch ihre Zehen behandelt. Mit der stärker werdenden Sonne und einer während des Steigens ausgiebigen Zehengymnastik im Schuh ist es bald wie immer und meine Zehen müssen zum Glück nicht amputiert werden. Mit diesem beruhigenden Gefühl geht es nun weiter bergauf, vorbei an einem Schneefeld in endlosen ZickZacks dem Kraterrand entgegen.

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Der Atemrhythmus gibt die Steigegeschwindigkeit vor – Einatmen – Schritt linker Fuß – Ausatmen – Schritt rechter Fuß und dabei immer darauf achtend, einen festen Tritt zu finden, um nicht wieder im tückischen Geröll ein Stück nach unten zu rutschen. So erklimmen wir die letzten Meter und stehen am ersehnten Kraterrand des Ojos. 6.700m über dem Meer ! Große Freude breitete sich aus, war das doch mein erklärtes Ziel und nun sieht es so aus, als ob meine Kraft auch bis ganz nach oben reichen wird. Noch 190 Höhenmeter trennen uns vom Gipfel und wollen erklettert werden. Im Krater selbst befindet sich eine Eiswüste. Nach einer wohlverdienten Rast mit Tee und Gummibärchen – ja soetwas gibt es auch hier in Chile – begeben wir uns gemeinsam mit den Italienern in die Spur zum höchsten Punkt Chiles. Im Inneren des Kraters führt uns der Weg im Halbkreis in Richtung Südgipfel. Als Schmackerl erwartet uns am Ende noch eine kleine anregende Kletterei, die mit Seilen abgesichert ist. Über uns hören wir den Wind peitschen. Er flößt uns Respekt ein und läßt mich für kurz überlegen, mich nur wenig unterhalb des Gipfels selbst zu beglückwünschen und umzukehren. Doch nicht nur der Wind zeigt immense Energie, auch Claudy ist auf dieser Tour die treibende Kraft und steigt weiter. Die letzten 90 Meter am Seil schaffen wir auch noch und setzen schließlich unseren Hintern auf den höchsten Vulkan der Erde, auf dem zweithöchstem Berg Amerikas – geschafft! Nur der Sturm mag uns wohl nicht hier oben und hätte gern, dass wir schnell wieder verschwinden. Aber erst geniessen wir die überaus fantastische Rundsicht in ein Ölgemälde aus Vulkanen, der Laguna Verde und der überaus faszinierenden Weite der Puna de Atacama! Ich bin überglücklich, müde, kaputt, bezaubert und halb taub vom Wind! Vor lauter Gehirnverneblung vergesse ich auch noch die Claudy nach unserer gemeinsamen Zukunft zu fragen. Vertane Chance!!! Nun wird es wohl noch mal ein Berg werden müssen, Verdammt!!!

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Mario wollen wir noch informieren, dass alles gut ist und das WalkieTalkie kratzt. Kontakt gibt es nur zu einem Italiener neben uns auch gerade im Versuch, Mario zu erreichen :) Der Ranger scheint ausgeflogen oder hält Siesta – zum Glück ist das kein Notfall!! Die mühevoll erkämpften Höhenmeter gilt es nun wieder nach unten zu kommen, um sich von der sauerstoffreichen Luft einen Kick versetzen zu lassen. Hier wählt jeder sein eigenes Tempo und in der für uns schon alt bewährten Weise rutschen wir in unserem heißgeliebten Sand- und Kiesgemisch abwärts. Nach 2,5 Stunden stehen wir erneut am Startpunkt unserer Tour, immerhin noch 10 Minuten schneller als der Rekordhalter für den Aufstieg zum Gipfel benötigt hat. In der Hütte warten schon die nächsten Schlafgäste und fordern uns auf, schnellstens unsere Nachtlager zu räumen. Dabei würden wir viel lieber etwas essen, uns ausruhen, ein bissel dösen – alles bloß nichts Anstrengendes!!! Danke liebe Bergkameraden! Unter ungeduldigen Blicken packen wir unsere 7 Sachen und sehen zu, dass wir auf dem schnellsten Weg in das Basislager absteigen. Der Weg zieht sich dahin und die rettende Oase will heute nicht näher rücken. Doch schließlich kommen wir auch hier an, an unserem Zelt mit all den schönen Vorräten. Was wir jedoch wirklich wollen, bietet unsere Vorratskammer nicht – eine heiße Dusche, ein Bier, ein Softeis, ne Cola und eine große fette Portion Pommes! Alles nicht da! Okay  – ich koche ein Süppchen aus der Tüte und schneide zur Feier des Tages 5 Wiener mit hinein. Ja, so ein Gipfelerfolg will ausgiebig gefeiert werden :)

Meine Rechnung ging auf, mit meinem repariertem Brillengestell konnte dieses Mal überhaupt nichts schief gehen. Et voilá – Modelo Ojos:

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Satt und staubig gehen dann um 20 Uhr die Lichter aus und im Traum liege ich schon am Strand und die Berge können mich mal. This is the end!!!!

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Vor dem Strand steht noch die Rückfahrt nach Copiapó für heute auf dem Plan. Endlich wird der seit Jahren auf Wanderschaften in der südamerikanischen Bergwelt im Spaß posaunte aus einem wohlbekannten Lied entlehnte Spruch – vamos a la playa – sich bewahrheiten! Und das gleich in doppelter Hinsicht, fühlt man sich doch schon an der Laguna Verde an den karibischen Strand versetzt… und nun soll es tatsächlich an den Ozean gehen! Keinen Gedanken mehr daran verschwenden, wie es mit unserer Akklimatisierung steht. Ein irgendwie befreiendes Gefühl! Nach einer liederlichen Packeinlage – den ganzen Bergsteigerkrempel brauchen wir ja jetzt eh nicht mehr – steht noch eine Überraschung ins Haus. Im Basislager treffen wir zwei Bolivianer aus La Paz, die natürlich unsere Bergführer Carlos und Augustin kennen. Auch ein Sachse aus dem Vogtland gibt sich ein Stelldichein – Mensch ist die Welt klein. Und oh Wunder wie vereinbart steht unser Fahrer am Mittag für den Transport bereit. Auf der Fahrt zur Hauptstraße wird uns dann noch mitgeteilt, dass noch zwei weitere Passagiere zusteigen und die umliegenden touristischen Attraktionen angefahren werden – für uns kostenlos, wie uns im Flüsterton mitgeteilt wird. Vielen Dank, aber wir wollen doch eine Dusche, nen Bier und ne Cola und dann an den Strand, stattdessen haben wir nochmals die Chance, uns vor der ersehnten Dusche in der Thermalquelle der Laguna Verde einzuweichen, die Vorwäsche quasi :) Fotostopps noch hier und da. Ich mach mal die Augen zu und freue mich schon auf eine Pina Colada im Liegestuhl am Strand. Copiapó liegt vor uns, die Atacama und unseren Traum der 7andessummits lassen wir zurück.

Spät angekommen in Copiapó beginnt das Spiel von der Herbergssuche von vorn. In zwei Tagen macht die Rallye Dakar hier halt und die Unterkünfte sind voll belegt. Nach einiger Suche haben wir Glück und im “Palace Hotel” ist ein Zimmer für nur 55 Euro zu haben – das Ganze natürlich ohne Frühstück. Das Zimmer ist klein und bietet kaum Platz für unsere 3 großen Packstücke. Die Dusche bleibt kalt, die Nase wird mit einem köstlichen Klogeruch beglückt, die Anlage strotzt vor Schäbigkeit und die wilden Katzen verströmen einen süß-sauren Geruch. Willkommen im Traumpalast!!! Wir sind wirklich nicht ansprungsvoll, aber hier passen Preis und Angebot nicht zueinander, ein Umstand, welcher uns das Ankommen in der Zivilisation erheblich erschwert! Nach einer Körperreinigungseinlage mit kaltem Wasser geht es in die Stadt, um noch unseren Essenstraum von gestern zu erfüllen. Aber entweder sind die Lokale bereits geschlossen oder wir werden nicht mehr bedient. Zum Glück gibt es aber auch hier einen fleißigen Chinesen, der gern unsere Pesos annimmt und uns mit Nudeln, Cola und Bier versorgt. Auf die Asiaten ist halt doch Verlass! Unsere Bemühungen, für die nächsten Tage eine bezahlbare Unterkunft an den nur 70 km entfernten  Badeorten zu ergattern, scheitern kläglich am Preis! Und so stranden wir für eine weitere Nacht im Palace Hotel. Am nächsten Tag schließlich gelingt uns die Flucht und wir verschwinden im Sausewind aus dieser gastfreundlichen Stadt in Richtung La Serena am Pazifischen Ozean. Ein Puh auf die Dakar, wem interessiert das schon, wenn man sich einfach nur von den geistigen und physischen Anstrengungen am Berg erholen will. In La Serena erwartet uns ein gemütliches Hostel inmitten einer herzerwärmenden chilenischen Familie, wärmende Sonne, Strand, Spiel, Meer, sauerstoffreiche Luft auf Normal Null, Faulenzerei, Müßiggang, Relaxing – kurz um – alles das, was wir seit Oktober nicht hatten.

Wir freuen uns darauf und drehen uns nicht um, als wir Copiapó im Bus hinter uns lassen!

Von unserem Gefühlschaos nach einem erfüllten Traum berichten wir Euch das nächste Mal. Ab nun heißt es Sommer, Sonne, Strand und keine Berge mehr!

Hasta luego und bringt mir den Winter wieder vor die Wohnungstür, was soll dieses Tauwetter!?! Haltet die Ohren steif gegen das Schmelzwasser und bleibt schön gesund,

Christian y Claudy

Fachsimpelei über Boliviens Kuriositäten in Omas Garten

Bolivien Part IV – Urlaub in Coroicos üppiger Pflanzen- und Tierwelt

Was gibt es Schöneres, als sich in Omas Garten mal so richtig auszuspannen und verwöhnen zu lassen? Man nehme hierfür eine große Portion Wärme, kilometerlange Sonnenstrahlen, eine kleine Laube, zwei Liegestühle, einen Teller voll Zupfkuchen und Linsertorte und zu guter Letzt spannenden Lesestoff. Das Ganze paradiesisch ausgeschmückt mit einer üppigen Pflanzenwelt und neugierig daherblickenden Tierchen und jedes Mal aufs Neue vor einer uns amüsierenden Vogelgeräuschkulisse. Hm, o.k., Oma fehlt und die vielen Puri Puris und unser Autanbad lassen wir mal unter die Swimmingpoolkante verschwinden : )

coroico01

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Genug Zeit, sich in der allabendlichen Gesprächsrunde über das Leben Boliviens auszutauschen…

Bolivien ist unser heimliches Lieblingsland in Südamerika. Natürlich kann man das nicht überall herumposaunen und somit ist immer das Land, in welchem wir uns befinden, das Schönste, wenn wir danach gefragt werden. Diese kleine Notlüge hilft immer, den Einheimischen ein Lächeln auf das Gesicht zu zaubern. Während ihr Euch mit Performancekünstlern und Pyrotechnikern – welche einen islamischen Hintergrund aufweisen – rumärgern müsst, ist es hier in Bolivien auch nicht leicht und wir haben uns mit den Besonderheiten des Landes auseinander zu setzen. Diese reichen vom Präsident – Evo Morales – bis hin zu Busfahrern und Kokaanbau.
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Nachfolgend nun eine kleine Aufzählung  aus dem Kuriositäten- Kabinett Boliviens

Berufsleben:

Busfahrer und Trucker
Der Verkehr in Bolivien besteht im Wesentlichen aus 4 Arten von Verkehrsteilnehmern 1) Busfahrer 2) Trucker 3) Taxifahrer und 4) sich hindurch windende Fußgänger in der Großstadt. Die verschwindend geringe Anzahl an privaten Autos lassen wir mal unter den Tisch fallen, da diese auch als Taxis arbeiten sobald sie jemanden sehen, der an der Straße winkt. Sowohl der Truckfahrer wie auch der Busfahrer sind um Ihre fahrenden Untersätze sehr besorgt. So werden sie in regelmäßigen Abständen durch die bolivianische Waschstraße (ein Fluss aus welchen Wasser gepumpt werden kann) geschleust, phantasievoll mit den aberwitzigsten Motiven bemalt (die reichen von nackten Frauen über wilde Löwen bis hin zu Osama und Che) und die Scheiben gewienert. Ein besonderes Augenmerk legen die Fahrer dabei auf die Pflege der Hinterreifen. Diese werden so oft wie möglich mit Eigenurin gereinigt. Der entscheidende Unterschied zwischen beiden Fahrertypen ist, dass der Trucker in der alten Kiste gemütlich mit 30 km/h und pechschwarzen Abgaswolken über die Hochebenen tuckelt und im Gegensatz dazu der Busfahrer das Blut von Michael Schumacher in sich trägt. Hier wird immer Vollgas gefahren, Überholmanöver vor der Kurve kein Problem und bergab erreicht er im Leerlauf Maximum Speed. Das Ziel eines jeden Busfahrers ist es, sein Gefährt möglichst vor dem des anderen zu setzen, um als Erster den nächsten Passagier an der Straße aufzulesen – wie heißt es doch so schön “Time is Money”

Fahrzielausrufer
In der größten Stadt von Bolivien, La Paz, wird der Nahverkehr durch Minibusse en masse in der Größe des VW-Busses abgedeckt. Im Unterschied zum VW Bus können sich offiziell bis 9 Leute auf  3 Sitzbänke im Heck verteilen  – natürlich sind es auch mal mehr. Der Platz an der Schiebetür wird aber immer vom Fahrzielausrufer besetzt. Trotz, dass die Fahrziele an der Frontscheibe ersichtlich sind, bedarf es noch einer Person, welche in einer für uns unverständlicher Geschwindigkeit die wichtigsten Haltestationen  während der Fahrt aus dem Fenster ruft. Diese Berufsgruppe scheint bestens geeignet, als Werbeträger für Wick Blau entdeckt zu werden.

Straßenblockist
Demokratie in Bolivien funktioniert etwas anders als in Europa. Zwar geht man auch hier zur Wahl aber das bewährte Mittel, seine Forderungen und Wünsche durchzusetzen, sind Straßenblockaden. Soll mein Dorf mit Strom versorgt werden – blockiere ich einfach die Hauptstraße. Ist der Zucker zu teuer – wird die Verbindungsstraße zwischen Ober- und Unterstadt in La Paz abgeriegelt. Dazu bedarf es nur ein paar Leute mit Latten in der Hand, eine geeignete Anzahl an Blechfässern und ein paar Baumstämmen – schon ist die Straßensperre fertig. Wenn dann kein Weiterkommen von A nach B möglich ist, findet das Anliegen bei den Obersten Gehör und es wird Besserung versprochen. Ein paar Männer haben hier Ihre Geschäftsidee für sich entdeckt und organisieren diese Straßensperren. Um die Auflösung der Straßensperre 100% zu gewährleisten, bedarf es noch ein kleine Aufmerksamkeit in Form von Geld, Auto oder Haus für den Organisator der Straßensperre und die Straße ist wieder frei – bis das nächste Problem gelöst werden soll oder die Organisatoren eine Aufmerksamkeit benötigen.

Weiterhin gibt es da die Berufsgruppen, welche auch in Deutschland auf ähnlicher Weise tätig sind oder die ein spezielles Handwerk ausüben. Zuerst genannt sind hier die Schuhputzer, die mit ihren Gesichtsmasken eher aussehen, als wollten sie die nächste Bank überfallen als den vorbeiströmenden Passanten die Schuhe direkt am Straßenrand zu putzen. Dann gibt es da noch den Saftpresser und die Popkorn-Verkäuferin. Diese beiden Berufsgruppen leben in einer für uns nicht nachvollziehbarer Symbiose. Die Gemeinsamkeiten bestehen darin, dass beide einen fahrbaren Verkaufswagen haben, an den gleichen Orten Ihre Waren an bieten und ihre Produkte uns geholfen haben, in La Paz zu überleben. Das kuriose ist dabei, dass man Saft nur früh und Popkorn ausschließlich abends kaufen kann, der Verkaufsplatz aber der gleiche ist. Nun fragten wir uns, ob die Berufsgruppen sich nicht leiden können oder die Kombination aus Saft und Popkorn gefährliche Reaktionen im Magen auslösen oder Popkorn nur im Dunkeln gelingen.

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Eine weitere Arbeitsbeschaffungsmaßnahme der Regierung ist, dass bei Behörden Dokumente wohl nicht handschriftlich aber dafür mit Durchschlag abgegeben werden müssen. Da viele Bolivianer nicht über die geeignete Technik zu Hause verfügen, stehen vor den Behörden die geeigneten Dienstleister  bereit. Bewaffnet mit einer Schreibmaschine warten sie auf Behördengänger, die ein geeignetes Papier benötigen, um dieses anzufertigen.

Bauwesen

Die Hingucker in der bolivianischen Architekturlandschaft sind die altehrwürdigen Kolonialbauten mit ihren ausladenden Balkonen und die prunkvoll ausgestatteten Kirchen. Das gemeine Volk lebt in Flachbauten entweder aus Adobesteinen oder Mauerziegeln. Im Gegensatz zu unseren Breiten werden hier Häuser allen Anschein nach nicht nach Plan gebaut. Es gibt immer ein Haupthaus, an welches je nach Platzbedarf oder Geldmitteln die verschiedensten Anbauten vorgenommen werden. Das Dach bildet dabei oft die Decke des noch zu errichtenden Obergeschosses, während die Treppe schon fertig gestellt ist und ins Nichts ragt. Eine Besonderheit sind die Häuser, die mal aus mehreren Etagen bestehen sollen. Der Rohbau ist soweit fertig, aber einzelne Etagen weisen den unterschiedlichsten Baubestand auf. So kann es sein, dass der dritte Stock voll ausgebaut, ausgeschmückt und bewohnt ist, aber im 2. und 4.  Stock nur die Treppen vorhanden sind. Wo geht da wohl das Fallrohr vom WC hin?

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Straßenbau ist hier noch schwere Handarbeit. Mit Spitzhacke und Schaufel wird der Asphalt aufgehackt, Beton wird auf der Straße aus Zement und Sand angerührt und Holzverschalung von Hand zugesägt. Das dauert natürlich alles etwas länger als es mit Maschinenkraft möglich wäre. Zum Ausgleich hat man sich dafür überlegt, einfach mehr Arbeiter einzusetzen. Das Ergebnis verbessert sich dadurch aber nicht, da immer nur einer arbeitet und 5 ihn dabei eindringlich beobachten und genau hier liegt auch die einzige Gemeinsamkeit mit Deutschland.

Einkaufen

In Bolivien kann man alles kaufen und das zu fasst jeder Zeit. Egal ob man 22 Uhr noch ein paar Kekse benötigt oder getrocknete Lamaföten für den anstehenden Hausbau oder  Kokablätter für seinen Gute – Nacht -Tee…  – alles ist möglich. Die Frage ist nur, wo findet man das alles? Einkaufszentren oder Supermärkte sind so gut wie nicht vorhanden. Dafür gibt es kleine Tante-Emma-Läden, die für die Grundversorgung zuständig sind. Aber wo der Rest erhältlich? Hierfür gibt es Unmengen von Nomadenhändler, die jeden früh ihren Stand vom Neuen am Straßenrand errichten und ihre Waren darbieten. Ah alles klar, einmal Straße rauf und runter und schon hat man seinen Einkaufszettel abgearbeitet. Nee so einfach ist es auch nicht. Die Straßenhändler haben die Straßen nach Themen aufgeteilt. Da gibt es die Tomatenstraße, Bananenstraße, Hosen-, Schuh-, Fleischstraße und so weiter. In den jeweiligen Straßen bekommt man dann nur Dinge einer Warengruppe und muss dann je nach dem was der Einkaufszettel verlangt zur nächsten Themenstraße weiterziehen. Vielleicht sollte man daraus mal eine Art Stadtführung durch La Paz veranstalten. Scheint mir eine gute Geschäftsidee für eine Agentur hier – Stadtführung nach Einkaufszettel.

Politik

Die beherrschende Figur der bolivianischen Republik ist der Präsident -Evo Morales – höchst persönlich. Als erster indigene Präsident auf dem südamerikanischen Kontinent hat er seine Amtszeit mit viel Vorschußlorbeeren in seinem eigenen Land begonnen, während vor allem die USA nicht in Hochstimmung verfielen. Als einfacher Kokabauer – nein die stellen keine Kokain her, sondern pflanzen auf ihren Äckern nur den Kokastrauch an – gestartet, hat er es bis zum Präsident von Bolivien geschafft. Angetreten, um die sozialistische Idee in die Tat umzusetzen, kann er sich vor allem auf seinen Kumpel Hugo Chavez verlassen, wenn das Land in die Schieflage gerät. Die Öl-Dollar aus Venezuela werden hier gern genommen, dafür aber die US-Drogenpolizei und auch mal ein Botschafter aus dem Land geworfen. Privateigentum wurde teilweise enteignet und unter staatlicher Kontrolle gestellt. Das Dumme dabei ist nur, dass diese Betriebe starke Einbusen in ihrer Leistungsbereitschaft hinnehmen mussten. Dem einen oder anderen scheint dieses Phänomen ja noch aus vergangener Zeit bekannt zu sein.

Mr. Morales machte aber auch noch mit verschiedenen Äußerungen weltpolitisch auf sich aufmerksam. So verkündete er auf dem Klimagipfel, das der Verzehr von Hähnchen und Pommes Frites wegen der Hormon- und Genbehandlungen homosexuell macht und zur Glatzenbildung führt. Weiterhin hat er auch noch einen Verbrauchertipp parat: Coca-Cola eigne sich vor allem gegen verstopfte Abflussrohre, weniger jedoch zum Verzehr.

Sport

Der Volksport Nummer eins in Bolivien heißt ja zweifelsfrei Fußball. Dieser Sport ist hier das beherrschende Thema und wird überall im Land praktiziert und per TV konsumiert. Wie wichtig dieser Sport für das gemeine Volk ist, zeigt der Umstand, dass man für die Gründung eines Dorfes die folgenden Gegenstände besitzen muss:
1) 4 Latten welche 2,44 Meter lang sind
2) 2 Latten welche min 7.32 lang sind
3) Ein Grundstück von min 90 x 45 Meter

Wer sich ein bissel auskennt, hat sofort registriert, dass diese Gegenstände notwendig sind, um einen Fußballplatz mit 2 Toren zu errichten. Der Bolzplatz wird immer zuerst geschaffen und dann erst die Wohnhäuser. Wir haben hier die verschiedensten Formen von Plätzen gesehen, welche sich für ein Fußballspielchen eignen. Da gab es Plätze mit einem Haus darauf, Plätze, bei welchen die Mittellinie gleichzeitige die Durchfahrtsstraße war und Plätze mit fest installierten Siegerpodest und Fahnenhaltern in Orten die nur zwei Häuser umfassten.
Das kurioseste Fußballspiel fand aber wohl auf dem Gipfel des Vulkans Sajama statt. Ja, genau der Berg, auf den ich nicht raufgekommen bin und mit über 6500 Meter der höchste Berg von Bolivien ist. Hier hatten sich ein paar Bergführer mit 10 Bällen und 2 Plastik Toren versammelt, um eine Rekord im Höhen-Fußball aufzustellen.
Auch der Präsident ist ein großer Verfechter der Sportart und nimmt von Zeit zu Zeit immer wieder an einem Spielchen teil und ist dabei nicht gerade zimperlich. So hat er sich schon die Nase gebrochen oder seinen Gegner mal einen ordentlichen Tritt in die Eier verpasst.
Der Bolivianer kennt aber durchaus auch den internationalen Fußball und so werden uns die Namen von Beckenbauer, Rummenigge und Klinsmann zugerufen, sobald wir zu erkennen geben, dass wir aus Deutschland kommen.

Und nun Schluss mit unseren Geschichten aus Bolivien, obwohl man sicher ein Buch darüber verfassen könnte… ABER, wir sind mittlerweile in Chile gelandet, ergo beginnt die Sammlung von Kuriositäten zu einem anderen Land von Vorn…
Die unendlichen Weiten und Faszinationen der disiertos blancos y lagunas colores im südlichen Bolivien haben wir leider schon hinter uns und sitzen nun inmitten der Atacama Wüste im kleinen staubigen Ort San Pedro de Atacama mit anderen unzähligen Touristen… ein weiterer Newsletter erwartet Euch die Tage, womöglich sind wir dann bereits in Argentinien…
Das Schnee- und Winterchaos in Deutschland ist für uns so unvorstellbar weit weg, wenn über uns die Wüstensonne unsere Haare versenkt. Von Weihnachtsgefühlen keine Spur…

Wir wünschen Euch, gut durch das Schneegestöber zu kommen und eine stressfreie Adventszeit zu genießen!!

Hasta Luego,
Christian y Claudy

The desert inside

Bolivien Part II – Sieg und Niederlage am Sajama, 6.542m

So oder so ähnlich hätte die Überschrift in einer Zeitschrift der 1940er Jahre wohl zu unserer kleinen Reise zu dem Berg, der sich innerhalb von Bolivien am höchsten gegen den Himmel streckt, geheißen. Vornweg, es war weitaus weniger dramatisch wie es sich anhört, mal abgesehen von der Anreise aber dazu ja gleich mehr.

Alles begann wie immer – der Trip war bei Travel Tracks gebucht, der uns bekannte Fahrer -Freddy – holte uns zu einer für Bolivien ungewöhnlichen Pünktlichkeit ab, in welcher wir derart überrascht waren, dass noch nicht alle Sachen zusammengepackt und Freddy auf uns warten musste :) Wir wühlten uns durch das Verkehrschaos von La Paz, um noch unseren Guia Carlos aufzulesen und schon befanden wir uns auf dem Weg in die abgeschiedene Region rund um den Sajama. Natürlich waren noch einige Stopps von Nöten, um alles, was noch fehlte, unterwegs zu besorgen. Hier in Bolivien ist es ein Leichtes, eine Reise anzutreten, ohne dass man sich vorher mit den notwendigen Proviant versorgt hat. An jedem Haltepunkt belagern Indio-Frauen die Autos, um dort Ihre Waren an den Mann zu bringen. Dabei ist die Auswahl riesig und reicht von Kalt- und Heißgetränken, über verschiedene Obstsorten, Süßigkeiten und Gelatine bis hin zu fertigen Mittagsmenüs praktisch verpackt alles zusammen in einer Plastiktüte – Mahlzeit! :) Wir ganz ostdeutsch haben natürlich brav vorgesorgt mit geschmierten Brötchen, Keksen und ausreichend Getränken.

Die Fahrt führt uns direkt aus dem Moloch La Paz in eine wüstenähnliche Landschaft. An unserem Fenster fliegen bizarre Felsformationen, verlassene Dorfhütten und Steppenland vorbei. Je weiter wir uns Richtung chilenische Grenze vorarbeiten, desto staubiger wird die Gegend. Fans von Brauntönen werden sich in diesen Landstrich verlieben. Auf der Straße ist nicht viel los – die Gefahr, mit einem der vielzähligen Lamas am Wegesrand zusammenzustoßen ist größer, als ein anderes Auto zu rammen. Im Auto gibt sich der Guia seiner Müdigkeit hin, während Freddy versucht, das Auto auf der richtigen Spur zu halten. Leider scheint unserem Fahrer die Monotonie der Strecke nicht  zu bekommen und ihm fallen immer wieder die Augen zu. Per Blindflug durch die Wüste – nein danke! Wir nutzen den nächsten Stopp, um einen Fahrertausch vorzuschlagen, welcher dankbar angenommen wird. Natürlich kann der Guia nicht fahren, da dieser zu höheren Aufgaben berufen ist! Somit darf ab sofort ich den Minibus durch Bolivien schaukeln. Selbstverständlich ohne Führerschein – das macht aber nichts, da sich die Polizei hier nicht rum treiben, geschweige denn Kontrollen durchführen wird.  Nach ein paar Problemen mit der Schaltung und der ungewohnten Lenkradstellung inklusive -spiel juckele ich das Teil gemütlich über die Straße bis es auf die Schotterpiste Richtung Berg geht. Selbst da wird noch meiner Fahrtkunst vertraut – ich kann den Bus bis zur letzten Etappe über die Kiespiste lenken. Rechts von uns zeichnet sich schon seit einer Weile die Kegelform vom Sajama ab. Das Wetter heute eignet sich hervorragend für einen super Postkartenausblick auf unsere bevorstehende Herausforderung. Welch ein Klotz von Berg!! Wow! Er ragt über 2,5 km über unserer asphaltierten Plattform hinaus und steht allein und verlassen im Wüstentraum. Lediglich die etwas kleineren Vulkannachbarn stehlen ihm mit ihrer in der Sonnenglut erscheinenden Farbenpracht die Show. Die beiden Zwillingsvulkane Parinacota und Pomerape haben keinen Grund, sich zu verstecken!

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Der Ausgangspunkt für unseren Fußmarsch zum Basislager ist zugleich der Endpunkt der Straße. Dick befellte und treudoof daherschauende Esel für unser Gepäck begleiten uns auf den vor uns liegenden 1,5 Stunden dauernden Weg. Auf dieser Strecke erfahren wir bereits, was es heißt, den Sajama besteigen zu wollen:

1) Der Weg ist aus Staub
2) Der Staub will deinen Körper!
3) Der Staub will mit Hilfe deiner Kleidung aus dieser hitzigen Trostlosigkeit entfliehen!
4) Staub schmeckt nicht, besonders dann, wenn der Abstand zu deinem Vordermann zu kurz ist oder man nicht als Erster geht
5) In Staub/Sand zu laufen, ist äußerst mühsam
6) Die Sonne brennt immer und Schatten ist nicht!
7) Das Wind – Staub – Gemisch kommt immer von vorn!
8) Jede noch so kleine Pore deines Körpers und Schlafgemachs setzt sich mit den witzigen Körnchen zu!

>> the desert inside <<

Am Basislager erwartet uns die gewohnte Routine – Zeltaufbauen, alles einräumen und ganz wichtig – Zelt zumachen, sonst hat man auch seine kleine private Wüste im Stoffhaus. Mit uns ist noch ein Schweizer hier mit einem Bergführer aus dem nahe gelegenen Dorf.

Während dessen bauen Freddy – er ist ab sofort nun unser Koch – und Carlos ihre Schlafbleibe und obendrein ein riesiges Küchenzelt auf, welches das Alfred-Brehm-Haus nicht nur der lila Farbe wegen in den Schatten stellt. Wir können es nicht fassen, so unwirklich der große Fetzen aus Stoff in dieser andinen Wüstengegend!! Dafür ist das Essen gut und reichlich und die Nacht sternenklar. Wir genießen den Blick auf den alles überragenden Sajama und sehen den morgigen Tag mit etwas Grummeln im Bauch entgegen. Carlos hat uns den Weg in das Hochlager gezeigt und uns mitgeteilt, dass es dort um diese Jahreszeit kein Wasser gibt. Das bedeutet, alles muss von hier nach oben geschleppt werden. Wir brauchen für diese Höhen um die 5.700 m normalerweise 5 bis 6 Liter täglich zu trinken, damit es mit der Höhe kein Problem gibt. Erschrocken zeigte uns Carlos per Fingerzeichen die Trinkmenge an, die er benötigt. Wahrscheinlich verwechselte er es mit einem Whiskyglas!!

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Am nächsten Tag dann also der Aufstieg zum Hochlager. Irgendwie muss man ja die 1000 Meter Höhenunterschied überwinden und da hilft es nur, an die nächsten 100 Höhenmeter zu denken. Also Plastikbotten die für minus 20 Grad gebaut sind bei 30°C angezogen, Rucksack geschnürt und los geht’s. Zum Glück haben wir einen Träger, der uns das Zelt abnimmt und auch noch etwas Wasser mit nach oben bringt. Nach ein paar Minuten qualmen die Füße, der Rucksack drückt, der Mund ist trocken und die Nase voller Staub. Immerhin sind es jetzt nur noch 4:50 Stunden und nicht mehr 5. Aber wir schaffen es Stück für Stück und kommen vor der “Normalzeit” im Hochlager an. Leider sind wir auch ganz schön geschafft von der Buckelei und dem Sandgelaufe – 2 Schritt vorwärts, 1 Schritt rückwärts. Da hilft nur eine kleine Siesta im Zelt mit Paranüssen zwischen den trockenen Kiemen. So gestärkt können wir uns auch an der einmaligen Lage des Lagers erfreuen. Die Aussicht ist einfach fantastisch!

Für alle, die sich schon immer gefragt haben, was man in so einem Hochlager eigentlich macht, hier die Aufklärung: schlafen (wenn es nicht zu heiß ist), essen (soweit es geht), viel trinken (wenn Wasser da ist), Karten spielen (wenn man verlieren kann) und die grandiose Aussicht genießen (wenn keine Wolken da sind). Wir haben Glück und können bis auf das Trinken alles umsetzen. Für den abendlichen Gipfelaufstieg, der gegen 1 Uhr starten soll, gibt es noch letzte Anweisungen von Carlos. Nach einem andinen Feuerzauber an den ehrfürchtigen Felswänden geht es in die zweite Nacht, die nur 4 Stunden für den Schlaf bereithält.

Punkt Mitternacht klingelt bei uns der Wecker – Koch und Guide geben keinen Muckser von sich. Na gut, bleiben uns noch ein paar Minütchen zum Weiterdösen. Jedoch sind wir wegen dieses gewonnenen Vor – sich – hin – Dämmerns erst um 2 Uhr startklar für den Gipfelsturm – 1 Stunde zu spät mit der großen Hoffnung verbunden, dass dies sich nicht rächen möge!

Mir geht es so La La, irgendwie ein komisches Gefühl im Bauch. Nach der ersten halben Stunde entschließt sich mein Mageninhalt, auch etwas von dieser wirklich schönen Landschaft sehen und gern nach draußen zu wollen. Ist mir zwar unverständlich, da hier ohne ausreichende Beleuchtung nichts zu sehen gibt. Was soll ich machen? Ich gebe nach!!! Das ist nicht besonders förderlich für einen langen anstrengenden Gipfelaufstieg. Ich gebe mir noch einen kräftigen Ruck und probiere es noch weitere Schritte bergauf. Irgendwie werde ich aber das Gefühl nicht los, dass das heute nicht mein Tag wird! Aber die Claudy, die kann es schaffen! Da bin ich ganz fest von überzeugt. Somit steht für mich fest: Ich steige ab und Carlos und Claudy gehen weiter nach oben. Während ich mich im Stirnlampenlicht in Richtung Zelt begebe, drücke ich der Claudy alle Daumen, dass sie für uns den Gipfel holt. Alles was jetzt so passiert, kann euch die Claudy einfach besser berichten, da sie es ja erlebt hat, während ich im Zelt gefaulenzt habe :)

Da stand ich nun! Das Wetter war mehr als optimal für einen Gipfelversuch. Es war windstill und die befürchtete Kälte blieb zu unserem Glück aus. Wieder lachte uns der Mond, brauchte aber dieses Mal die Unterstützung unseres Stirnlampenlichts. Wir haben gut geschlafen und gut gegessen. Alles sprach für einen erfolgreichen Gipfelsonntag. Nur die müden Beine wollten nicht so recht nach oben. Erschreckenderweise fand ich von Beginn an keinen Tritt und musste nach jedem 10. -20. Schritt kurz pausieren. Bei Kriese scheint es besser zu laufen, er klebt an den Fersen von Carlos. Verdammt, war es das bei mir? Und plötzlich bleibt Kriese auch stehen, für etwas länger. Er musste sich übergeben, sprach von Umkehr. Wir versuchten noch weitere gemeinsame Höhenmeter im steilen Geröllgelände, dankbar für jede Serpentinenkurve, markiert sie doch, wieder etwas noch oben gestiegen zu sein! Kriese fühlt sich nicht gut und entscheidet, jetzt hier abzusteigen, um mir die Chance zu geben, nach oben zu können. Weiter oben im Fels und Eis würde eine derartige Entscheidung die Umkehr für uns beide bedeuten!
Da stand ich nun, zerrissen, zwiegespalten… in mir schrie es nach Aufgabe, nach Zelt, nach Schlafen legen, nach gemeinsame Sache machen… Doch ein anderer Teil sagte mir, dass alles optimal ist, ich mich insgesamt doch gut fühle, keine Kopfschmerzen, keine Übelkeit, keine Atemnot… das Wetter steht auf unserer Seite! Der andere Teil sagte mir, dass ich es schaffen werde trotz meiner Langsamkeit! Auch Carlos macht mein Schritttempo keine Sorgen. Kriese spricht mir Mut zu. Wir verabschieden uns noch unterhalb der 6000m Marke. Ein komisches Gefühl, welches mich zum Kämpfen anspornt!

Sehr langsam geht es nun ohne Kriese weiter hinauf. Mein Tempo verändert sich nicht, 10-20 Schritte, dann kurz stehen bleiben, um dabei festzustellen, dass es mir doch gut geht. Es ist dieser verflixte Rhythmus, der sich nicht finden lässt in diesem Geröllhaufen und die Müdigkeit in meinen Knochen fördert. Einige Zeit später nimmt mich Carlos ins Seil, eine leichte Kraxelei im steileren Gelände folgt, gefährlich wegen des losen Gesteins, aber eine Wohltat für meinen Körper, der die längeren Pausen durch Carlos´ Vorstieg zu genießen weiß :) Nach einer halben Stunde ist es auch leider schon wieder vorbei. Weit über uns das Stirnlampenlicht des Schweizers, der uns etwa eine Stunde voraus ist. Es entmutigt mich. Der Glaube an mich geht verloren, an diese Stelle jemals zu gelangen! Doch plötzlich eine riesige Sternschnuppe am Himmelszelt. Ein Freudenlächeln huscht über mein Gesicht. Sie gibt mir Kraft und lässt mir den einen Wunsch frei… ich werde es schaffen :) Im losen Fels- und Geröllgelände ließ ich weiter meine Kräfte.

3 Stunden nach Gipfelanbruch standen wir vor dem atemberaubenden und dem viel gefürchteten Büsereis. Unklar für mich, wie es da hindurch zum höchsten Punkt gehen soll. Eine aus Eis geformte Mauer tat sich vor uns auf! Ich verschwendete keinen Gedanken daran, sondern nutzte die Gunst des Steigeisenanlegens zum Ausruhen. Am Horizont zeichnet sich bereits der Morgen ab, die Zwillingsvulkane erröten leicht bei meinem Anblick :) Die ersten Schritte durch dieses Eislabyrinth bereiten mir Vergnügen. Es sind geringfügig ansteigende Serpentinenwege, die uns Carlos frei klopft und es geht nur langsam voran dabei, gut für mich :) Ich fühle mich beim Durchstreifen des Eisfeldes in eine Traumwelt versetzt, in welcher mir das unter meinen Tritten zerklirrende Eis eine zauberhafte Melodie spielt! Lieblich anzuhören trägt sie mich elfengleich sanft dahin…. Elfengleich…. Sanft … Aus der Traum!! Die Penitentes werden knie hoch, es geht querfeldein! Nun muss wieder kontinuierlich gelaufen werden, dabei finde ich doch erneut meinen Rhythmus nicht! Es ist steil und das stetig und ich übe mich im Klettern, Balancieren, Rumeiern. Die Spalten rechts von mir sind mir egal, schlecht wird mir beim Anblick des weiteren Weges und ich weiß aus Beschreibungen, dass diese eine Kuppe nicht der Gipfel sein wird! Das Büsereis wird zwar etwas flacher, aber ich finde darauf keinen guten Halt, der Eispickel hängt nutzlos an meiner Hand. Er kann mich in dieser Unebenheit nicht unterstützen und meine investierte Kraft verpufft an den abbröckelnden Eisskulpturen! Carlos wird langsam unruhig, noch immer laufe ich mein 10-20 Schritttempo. Es wird eng mit der Zeit, sobald die Morgensonne das Eis küsst, sollten wir uns auf dem Rückweg befinden.

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8.00 Uhr schließlich hole ich meine Gletscherbrille aus dem Rucksack, ich muss mich eincremen und denke dabei, dass es vorbei ist. Zu langsam. Ich habe alles gegeben. “Quieres la cumbre?” Ich nicke schüchtern. Carlos überlegt lange. Der Schweizer kommt uns entgegen, er hat es geschafft. Noch 1 Stunde sei es bis zum Gipfel, das Gelände flacher und leichter zu steigen. Wir gehen weiter! Trotz das ich mich anstrenge wie verrückt, bin ich gefühlt nicht schneller. Aber meine Stehpausen nehmen ab, ja, komm, reiß Dich zusammen! Meine Jugend holte mich ein und die New Kids säuselten mir etwas von “Step by Step” ins Ohr, brrrrr, ein Grund schneller zu laufen ;)
Und plötzlich, es ist 8.45 Uhr, meint Carlos, so, hier ist der Gipfel! Wie? Hä? Mir ist der Moment abhanden gekommen, dieses sagenumwobene Gefühl des Steigens auf dem sich dahinneigenden  und sich ankündigenden Gipfels. Das konnte unmöglich der höchste Punkt Boliviens sein! Es kann mir nicht jemand einfach sagen, so, hier ist er, ohne dass ich es mitbekommen habe! Aber rings umher zeigt sich mir keine weitere Erhebung, uns offenbart sich eine große weiße weite Fläche. Ich realisiere es trotz geringfügiger Skepsis, ich habe es geschafft!! Ich habe uns den Sajama für unsere 7andessummits+ geholt, ein kleiner Freudenlaut schafft es aus meinem sonst sprachlosem Mund! Yaaalllaaaahhhhh!!!!

Der Aufenthalt auf Boliviens höchster Erhebung ist kurz, wir sind spät, obwohl ich mit meiner Aufstiegszeit von 6,45 Stunden super liege!! Und das bei diesem Tempo, wow!
Die Freude hält zunächst nur kurz an, zu mühevoll gestaltet sich der Abstieg. Selbst dabei muss ich wider Erwarten öfter pausieren. Die Sonne brennt unerbittlich, ich fühle mich ausgedorrt und nach dem Durchsteigen der Felsrinne so, als hätte ich die Gesamtmenge des Bergstaubs inhaliert. Was ist mit “always Coca Cola”?? Von wegen!!! Boaahh, innen und außen aus Staub beschichtet befürchte ich, zu zerbröseln, bevor ich diese kleinen bunten Punkte weit unter mir im Fels erreichen werde! Was wird wohl Kriese dort gerade machen? Was wird er denken? Die letzten Höhenmeter dann endlich mittels meiner geliebten Geröllabfahrt, Absteigen kann doch so einfach sein! Dehydriert und entkräftet komme ich dem zu mir blickenden Kriese immer näher. Eine Gänsehaut durchbricht die aufgestaute Hitze unter dem Langarmshirt. Ein Glücksgefühl durchströmt meinen Körper, dem Weinen nahe, ich realisiere es, ich habe es geschafft! :))

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Das 1 Liter Trinkwasser, welches mir Kriese zur Gratulation überreicht, scheinen in meinem Magen nicht anzukommen, sondern von dem kiloweise Staub, das an den Innenwänden haftet, aufgesogen. The desert inside!! Kriese freut sich mit mir und während ich mich endlich ausruhen kann, fängt für ihn die Arbeit an – Zelt abbauen, Rucksäcke packen…. sich mein Gelabere anhören zu dem Monsteranstieg :) Knapp 2 Stunden später sind wir auch schon am Auto, die Strecke vom Hochlager geht im Sauseschritt, trotz Ermüdung, trotz Hitze, trotz Austrocknung… in der Ebene erwarten uns nicht nur süß daherblickende Kulleraugen der Lamas, sondern ein Entspannungsbad in der heißen Quelle. Welch eine tolle Belohnung und ein krönender Abschluss dieser Bergtour, die am Auto damit endete, dieses festgefahren aus einem Staubloch zu befreien :) Unser Zelt schlugen wir einen Schritt weit vom Pool auf, um uns herum ein sagenumwobenes Panorama. Am nächsten Morgen dann noch Kneippsche Wechselbäder in Boliviens Wüste. Im Loch der heißen Quelle holten wir uns beinahe einen Hitzekoller, aber da es ja so schön kalt des nachts wird, erfrischten wir uns danach an den zugefrorenen Flussläufen und waren dabei eins mit den Lamaherden…

Zufrieden, geschafft und unspektakulär erreichen wir am Nachmittag die Stadt des Friedens, in welcher wir die kommenden Tage dafür nutzen, uns zu entspannen und die nächste Tour auf den Illimani, dem zweithöchsten Berg dieses Landes, vorzubereiten.

Darüber dann etwas später in einem neuen Newsletter :)

Liebste Grüße von unterwegs von den glücklichen Gipfelstürmern

Claudy y Christian

PS: Einen großen Dank an Aly und ihrer Agentur Travel Tracks, die uns von Beginn an in unseren Belangen, außerhalb der Besteigungszeit den Sajama zu bezwingen, unterstützte und dafür Normalpreise verlangte. Andere Anbieter, die mit großen Sajama – Plakaten an ihren Eingängen frohlocken, schauten uns beim Nachfragen verdutzt an oder verscheuchten uns mit Wucherpreisen!

Über die Zeitbrücke zurück in die Zukunft

Bolivien Part I – La Paz und das höchste Skigebiet der Welt

Unsere Reise führt uns weiter Richtung Süden und wer im Geographieunterricht aufgepasst hat, weiß, dass sich südlich von Peru das wunderschöne und das sich viel Ursprünglichkeit bewahrte Bolivien anschließt. Hier gaben wir 2007 schon ein Gastspiel und freuten uns riesig, wieder in diesem Land unterwegs sein zu dürfen. Unser Weg führte uns von Puno/ Peru über den geschäftigen Grenzübergang in den turbulenten Regierungssitz von Bolivien La Paz – Geographie-Leistungskursbesucher können hier mit Ihrem Wissen punkten, falls sie die Hauptstadt von Bolivien kennen. Die 6-stündige Fahrt ging an dem Ufer des tiefblauen Tititacasees entlang, dabei die imposante bolivianische Bergkette der Cordillera Real mit ihren Gipfeln weit über 6000 Meter immer fest im Blick. Claudy manchmal aber auch nur vor ihrem inneren Auge :). Das Phänomen der Zeitbrücke ist für unser irdisches Wissen zuviel des Guten, nicht greifbar die Realität, nur durch eine Brücke getrennt in eine andere Zeit zu laufen… In Bolivien ist es eine Stunde später als in Peru! Was man auf dieser Brücke alles veranstalten kann… Rekordläufe…. Zurück in die Vergangenheit…. Komisches Gefühl :) Das Glück begleitete uns und unsere Taschen waren dieses Mal nicht geeignet für eine Entwendung und wir erreichten Bolivien ohne weitere Verluste.

Adios Peru – Hola Bolivia!

Wir fühlten uns sofort wieder heimisch in „unserem“ La Paz. Vieles ist immer noch so wie es vor drei Jahren war – der Verkehr ist weiterhin chaotisch, die Bevölkerung bunt zwischen Indigenen und westlich orientierten Menschen gemischt, die Bürgersteige sind schmal und werden zusätzlich von Verkaufsständen verkleinert und über allen herrscht eine Glocke aus Abgasen und Lärm.

Unser Ziel hier ist ja der Sajama – also der Berg der am höchsten in den Himmel ragt innerhalb der Grenzen von Bolivien. Unsere Vorrecherchen bzgl. Bedingungen am Berg waren nicht mit günstigen Meldungen gesegnet. Es gab nur eine Agentur, die das Unternehmen Sajama mit uns in Angriff nehmen wollte und dafür nicht Phantasiepreise aufrief. Mit dieser Agentur wagten wir  vor drei Jahren den Aufstieg zu unseren ersten 6.000er – oh sorry damals war ich lieber Richtung WC unterwegs, während die Claudy den Gipfel gestürmt hat.

Da man in so einem Land nur richtig entspannen kann, wenn die Hausaufgabe – Sajama – erfolgreich erledigt wurde, führt unser erster Weg nach dem Einchecken im Hotel direkt zur Agentur unserer Wahl namens Travel Tracks. Die Freude war groß, als wir unsere alten Weggefährten von vor drei Jahren wieder trafen – die Inhaberin Aly, unseren ersten Guide Silverio und unseren Fahrer Freddy. Aly und Silverio konnten sich sogar noch an uns erinnern und wir sprachen über unsere vergangenen Abenteuer – ja wenn man ein gewisses Alter erreicht hat, nimmt die Vergangenheit eine immer größere Rolle im Leben ein:). Nach einem regen Informationsaustausch wechselte das Geld den Besitzer und wir nahmen unseren Reiseschein für eine 4-tägige Tour zum Gipfel des Sajama entgegen. Ach noch was, wenn jemand die Absicht hat, auf einen 6.542 m hohen Berg zu steigen, sollte er sich vorher etwas in der Höhe aufhalten, damit ihn Kopfschmerzen, Übelkeit oder Hirnödem erspart bleiben. Also brauchen wir noch eine Nacht in ansprechender Höhe. Schnell ist eine 2 Tage-Wanderung auf dem Altiplano mit Aly und Silverio besprochen, welche die Akklimatisierung unterstützen wird. Das Wichtigste ist nun erledigt, aber der Tag hat noch etwas Zeit für uns parat. Das ist gut, denn unser Weg geht schnurstracks zu meinem Namensvetter den Schweizer Christian, da dort die besten Karten zu erstehen sind und viele Tipps für die Berge in Bolivien kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Das Wissen bzgl. Bergwelt, Land und Leute und die letzten Katastrophen scheinen bei Christian unendlich und nur sein Mitteilungsbedürfnis ist noch etwas größer. So gibt es Geschichten vom jüngsten Raub an der Mautstelle mit 2 Toten Polizisten, Tot bei einer Straßenblockade von Bauern, abgestürzten Bergsteigern, verprügelten Italienern im Basecamp vom Illimani, entführten Touris in El Alto, unseriösen Bergführern, die ihre  Klienten am Berg losbinden und nach Hause gehen und andere aufmunternde Geschichten. Nach 3 Stunden wurden wir dann entlassen und hatten zu guter Letzt noch eine Wanderkarte in unseren Händen :)

Unser freier Tag ging dann doch wieder zu Gunsten der Akklimatisierung flöten. Das geht hier in la Paz aber ganz prima. Es bedarf nur den Willen, etwas einkaufen zu wollen und schon ist man in den steilen Straßen bergauf und bergab unterwegs und das alles auf einer Höhe von ca. 3.800 m. Akklimatisierung soll hier wohl sogar während des Biertrinkens möglich sein, da passte es, dass wir für diesen Abend eine Verabredung mit einen Bekannten aus einem Bergsteigerforum hatten, der eigentlich auch mit uns zum Sajama wollte. Treffpunkt war klar, ein Irish Pub sollte es sein am Plaza Avaroa. Nicht schwer, Stadtplan her und losgelaufen, ist ja alles wie ein Schachbrett hier aufgebaut, 2 Straßen nach unten und dann 5 Straßenblöcke nach rechts und rechter Hand wird der Plaza auftauchen. Als wir da waren, war der Plaza nicht zu sehen. Nun durfte auch Claudy mal den Stadtplan bedienen und siehe da, der gute Kriese hat uns doch glatt in die entgegen gesetzte Richtung geführt. Also Taxi für 10 BS angehalten und auf zum Pub :)

Nach erfolgreicher Akklimatisierung in La Paz startete am nächsten Tag unsere Wanderung durch das Altiplano. Der Ausgangspunkt der Tour konnte für uns wintersportbegeisterten Thüringer nur das höchst gelegene Skigebiet der Welt sein. Mit Touri -Tagesausflüglern welche von allen möglichen Hostels in La Paz eingesammelt wurden, ging es in einem Stadtbus auf zum Chakaltaya. Wir mit Rucksack und Zelt, die anderen mit Sonnenhut und Cola. Der Bus quälte sich aus der Stadt heraus vorbei an Claudys Huayna Potosi auf Schotterpiste aufwärts bis auf 5.300 m!! Dort war dann auch Endstation für den Bus und Startpunkt zum „Aufstieg“ zum Gipfel auf 5.430 m. Neben den Busparkplatz gab es hier noch eine Schutzhütte, alte Lifte und windschiefe Versorgungshäuser. Also Rucksack geschultert, die anwesenden Hütten-Leute mit unseren großen spanisch Kenntnissen nach dem Weg zur Ziel-Lagune gefragt, schnell auf den Gipfel rauf, Foto für die Gipfelsammlung geschossen und zur Verblüffung der anwesenden Touris mittels Schotter-Abfahrt auf der anderen Seite des Berges abwärts zum sich abzeichnenden Weg gerutscht. Dann sollte es immer links um das Bergmassiv herum gehen und 3 Stunden später erscheint die Lagune, so wurde es uns prophezeit. Der Weg ist von oben gut zu sehen und auch weiter unten gut zu finden. Das dumme ist nur, dass der Weg nach ein paar hundert Metern aufhört. Macht aber nichts, dass Wetter ist gut und wir haben unsere Übernachtungslagune immer fest im Blick und natürlich vorsorglich auch mit dem Kompass die Marschrichtung bestimmt. Zu unserer Überraschung kommen wir jetzt an immer mehr verlassenen Minen vorbei, die in den Fels gehauen wurden. Was für eine Knochenarbeit hier mit Spitzhacke und Schaufel ein paar edle Erze zu tage zu fördern.

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Uns zieht es weiter bis es links um den Fels rum nicht mehr weiter geht, es sei denn, man heißt Reinhold. Also geht es für uns in einer steilen Schuttrinne hinab – bitte jetzt nicht ausrutschen sonst geht es mit ungewollter Geschwindigkeit bis ganz nach unten! Am Ende der Abfahrt wartet schon eine Lamaherde auf uns und der nette Hirte bestätigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind, puh! Zur Belohnung bieten wir ihm eine Waffel von unseren Vorräten an. Es kommen wieder die berühmten Kulturunterschiede zum Vorschein – anstatt einer Waffel aus der Packung nimmt er großzügig das ganze Packet, lacht und zieht mit seiner Lamaherde davon. So ne Waffel scheint in den Anden wohl gern als Zahlungsmittel genommen zu werden :) Für uns geht es weiter immer um den Berg herum. Vor uns liegt die Lagune, aber was ist das auf dem Weg und warum steht hier ein Kreuz mitten im Nichts? Nach eingehender Untersuchung einigen wir uns darauf, dass hier wohl vor einiger Zeit ein Flugzeug abgestürzt sein muss. Es liegen hier noch einige Frackteile herum – irgendwie ist das doch recht gruslig und bedrückend.  Was genau passiert ist, wissen wir nicht und Google haben wir noch nicht befragt. Unseren Gedanken überlassen trekken wir durch das karge Land. In der nahen Ferne dann ein paar neuere Häuser an einer Lagune. Je näher wir kommen, desto deutlicher wird es, es handelt sich um eine neu eingerichtete Eco – Lodge. An der Lagune sind Boote festgemacht, ein Steg führt etwas in eine Sumpflandschaft hinein und eine Pistenanbindung an La Paz ist auch vorhanden. Nicht zu vergessen sind die Bänke, auf denen wir erstmal eine kleine Mahlzeit einnehmen. Nach anregender Unterhaltung mit den „Bewachern“ der Anlage – ja, meine Spanisch Kenntnisse werden immer besser während Claudy demonstrativ schweigt – entscheiden wir uns im Selbstversorgungsraum zu nächtigen und nicht auf dem durch Steinmauern abgegrenzten Zeltplatz – gute Wahl! In der Nacht regnete es und das Zelt ist schön trocken im Rucksack. Nach dem die Rechnung in Höhe von 1,50 Euro pro Person bezahlt ist, machen wir uns am nächsten Tag auf zu unserem Endpunkt, der 2 Stunden entfernt bergauf liegen soll. Mit geschnürten Schuhen geht es weiter und wir können noch einen weiteren namenlosen Gipfel für unsere Sammlung verbuchen, bis wir nach einer kleinen Querfeldein-Einlage an der Straße nach La Paz herauskommen. Hier greift wieder das chaotische unkomplizierte System des südamerikanischen Personenverkehrs – an die Straße gestellt, Bus angehalten, bis irgendwo in La Paz gefahren für 0,50 Euro, wieder an die Straße gestellt und ein Sammel-Mini-Bus angehalten Richtung Zentrum für 0,15 Euro, an der richtigen Stelle aussteigen und noch ein paar Meter bis zum Hostal laufen und schon ist man der wohlverdienten Dusche ganz nahe. Vielleicht sollte die DB mal jemand hier vorbeischicken und das System für Deutschland prüfen.

Wie immer, wenn wir wieder nach La Paz einreiten, nimmt sich der gute alte Evo Zeit und empfängt uns mit den gebührenden Ehren. Für uns ist das immer etwas lästig, da wir mit verstaubten Schuhen und dreckigen Hosen über den roten Teppich stolzieren müssen und die Parade abnehmen dürfen – da wäre uns ein kühles Bier oft lieber.

Wohl akklimatisiert, mit frisch gepressten Orangensaft für 0,25 Euro vom Straßenrand getränkt und die Rucksäcke gepackt, sind wir ready to go for the Sajama. Vom Abenteuer an  diesem Berggiganten berichten wir im nächsten Newsletter! Nur schon eins zur Beruhigung aller Mitfiebernden, wir sind bereits heile zurück und sitzen bereits wieder auf gepackten Koffern für den zweithöchsten Berg hier – wir sind dann mal weg :)

Und ihr habt es bald geschafft, den tristen November zu bewältigen…. Wir drücken die Daumen für diese Herausforderung und wünschen Euch von Herzen ein schönes Wochenende!!

Liebste Grüße von unterwegs!

Christian y Claudy